Sonntag, 6. November 2016

[Rezension] Unendlich wir von Amy Harmon

Sonntag, 6. November 2016


Autor: Amy Harmon
Originaltitel: Infinity + One
Verlag: INK 
Umfang: 408 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-8639-6080-3



Klappentext

Bonnie Rae Shelby ist ein Superstar. Millionen von Fans kaufen ihre Alben, sie füllt die größten Hallen des Landes und hat mehr Geld, als sie jemals ausgeben könnte. Ihr Leben scheint ein wahr gewordener Traum. Aber all das ändert sich, als ihre Zwillingsschwester Minnie stirbt, ohne dass Bonnie die Gelegenheit hatte, sich von ihr zu verabschieden. Von einem Moment auf den anderen will nichts mehr einen Sinn ergeben – am allerwenigsten die Tatsache, dass Minnie tot ist und Bonnie noch lebt. 
Nach dem Abschlusskonzert ihrer Tournee in New York trifft Bonnie daher eine Entscheidung. Sie klettert auf eine Brücke, fest entschlossen zu springen. Doch in letzter Sekunde ergreift ein Mann ihre Hand und zieht sie wieder nach oben. 
Finn Clye will New York eigentlich so schnell wie möglich hinter sich lassen und in Las Vegas ein neues Leben beginnen. Dass eine verzweifelt wirkende junge Frau ihn nun anflehnt, sie auf seine Reise mitzunehmen, ist so ziemlich das Letzte, was er gebrauchen kann. Bonnie und Finn könnten unterschiedlicher nicht sein: Er will seine Vergangenheit vergessen, sie nicht an ihre Zukunft denken. Doch während sie sich gemeinsam auf dem Weg quer durch die USA begeben, stellen sie fest, dass sie nicht nur viel über den anderen, sondern vor allem auch über sich selbst lernen können... (Bild- und Textquelle: INK Verlag)



Meine Meinung

Die Inhaltsangabe klingt dramatisch, abenteuerlich, emotional und einfach gut. Ich hatte große Hoffnungen, dass sich mein zweites Buch von Amy Harmon etwas mehr begeistern kann, als das erste. Und dem war auch so – dieses Buch hat mich komplett geplättet!

Die Idee hinter der Geschichte klingt ja schon ein bisschen klischeehaft, jedenfalls was die Charaktere angeht. Ein Superstar und ein Ex-Häftling – alles klar. Aber hinter dem Klappentext verbrigt sich so viel mehr und die Umsetzung dieser Idee gelingt Amy Harmon grandios! Sie schafft zwei einzigartige Charaktere, die mit Stärken und Schwächen gleichermaßen ausgestattet sind und mich immer wieder überraschen konnten. 
Gerade Emotionen sind in diesem Buch das A und O und genau das, was die Autorin erreichen will. Eine großartige Spannung gibt es einfach nicht, dafür weiß Harmon mit Gefühlen zu fesseln und ich fieberte jede einzelne Szene so sehr mit: lachte, weinte, hoffte und verzweifelte. Genau das, was einen guten Liebesroman ausmacht! Der Schreibstil tut dabei sein Übriges: wirkt mal locker-flockig und dann wieder sehr ernst und erwachsen. Auch die bereits bekannten Lebensweisheiten gibt Harmon ihren Protagonisten und ihren Lesern wieder mit auf den Weg und sie machen das Buch zu etwas ganz Besonderem – so wie der Rest!  
Die Perspektive der Geschichte ist einmal aus Bonnies Ich-Erzählersicht und auf der anderen Seite kommt auch Finn durch einen Er-Erzähler zu Wort. Man bekommt so gute Einblicke in beide Charaktere, versteht ihre Handlungen und ihre tiefsten Gefühle. 
Ganz besonders gut gefiel mir auch, dass der Buchtitel eine ganz besonders tolle Erklärung bekommt, perfekt eingewebt wird und mich absolut zu Zucker werden ließ!  
Mein Lesespaß war die gesamte Geschichte über sehr hoch! Schon von der ersten Seite hatte ich so viel Freude, Bonnie und Finn zu begleiten und mit ihnen zu leiden, zu lachen und zu leben. Zu begreifen, worauf es im Leben wirklich ankommt und wie es weitergehen kann, auch wenn viel hinter einem liegt. Ich habe mir das Buch dann extra gut eingeteilt, damit es nicht so schnell vorbei ist – und das heißt schon was!

Die beiden Hauptcharaktere sind der Dreh- und Angelpunkt des Buches und besonders sympathisch, wenn auch teilweise auf eine etwas verdrehte Art und Weise. Bonnie ist ein Superstar in der Musikbranche, kommt aber eigentlich auch sehr ärmlichen Verhältnissen und ist deswegen absolut auf dem Boden geblieben. Sie singt für ihr Leben gern und zieht die Leute in ihren Bann – aber in Bonnie herrscht seit dem Tod ihrer Zwillingsschwester Minnie ein dunkler Abgrund voller Traurigkeit und Verzweiflung. Ihre Emotionen sind sehr greifbar, machen sie realistisch und sympathisch. Durch ihre Tante, die gleichzeitig ihre Managerin ist, fühlt sie sich gefangen wie in einem goldenen Käfig und will diesem nun endlich entfliehen. Mit der Zeit entwickelt sich Bonnie weiter – wird erwachsener, kann den Tod ihrer Schwester verarbeiten und findet ihren Seelenpartner Finn. Auch wenn sie in einigen Situationen sehr verdreht und verrückt wirkt, so ist sie meist doch süß und nur in wenigen Szenen dachte ich mir, dass das doch etwas sehr viel war – manchmal ist sie wirklich zu kindisch und überstürzt, aber darüber konnte ich insgesamt dann doch hinwegsehen. 
Im Gegensatz dazu ist Infinity oder auch nur Finn, ein Ex-Häftling, der durch unglückliche Zufälle und durch die liebe zu seinem Zwillingsbruder Fish eingebuchtet wurde. Nun möchte er endlich ein neues Leben beginnen und stößt dabei direkt auf Bonnie. Finn ist ein wahres Mathematik-Genie und immer wieder lässt er seine Liebe zu den Zahlen in die Gespräche mit Bonnie einfließen, was ich sehr witzig fand. Durch seine Vergangenheit ist Finn gezeichnet, dennoch recht bodenständig und greifbar. Besonders gut gefiel mir hier hoch, dass die Autorin die dunklen Geheimnisse der beiden alsbald löst und kein ewiges und unnützes Rätselraten daraus macht. Danke dafür! 
Die Beziehung der beiden ist hoch emotional und sehr süß. Außerdem auch offen und ehrlich – hier gibt es keine Geheimnisse! Bonnie und Finn retten sich gegenseitig und können zusammen aufatmen, ein neues Leben beginnen. Bonnie findet den Anker, der sie am Leben hält und Finn einen Grund, sein Leben wieder zu genießen. Mal davon abgesehen, dass Bonnie Finn mit ihren überstürzten und unbedachten Handlungen regelmäßig zum Verzweifeln bringt – für den Leser urkomisch! - passen sie einfach perfekt zusammen. Ihre mathematischen Metaphern über Liebe und Gefühle sind so besonders und vor allem ein Zitat mit der Unendlichkeit hat sich in mein romantisches Leserherz geschlichen. Beide überzeugen auf ganzer Linie!

Das Buch beginnt mit einem Prolog, der viele Fragen und Rätsel aufwirft und sofort Parallelen schlägt zu Bonnie Parker und Clyde Barrow – diese Parallelen werden des Öfteren immer wieder aufgegriffen im Verlauf des Buches. War für mich aber auch unglaublich interessant, weil ich mich noch nicht allzu viel mit dem berühmten Gangsterpaar beschäftigt hatte. Anschließend geht man in der Zeit genau 11 Tage zurück und die eigentliche Handlung beginnt: Bonnie will von einer Autobrücke stürzen. Die Autorin fackelt dabei wirklich nicht lange und klärt die wichtigsten Fakten auf: Bonnie ist ein Superstar und ihre Zwillingsschwester Minnie an Krebs gestorben, wobei Bonnie keine Möglichkeit hatte, Abschied von ihr zu nehmen. Man spürt in ihr sofort eine große Welle an Traurigkeit und fühlt mit ihr mit. Finn kommt dazu und hält sie ab vom Springen und der wahnwitzige und dramatische Roadtrip der beiden beginnt! 
Die Handlung ist permanent interessant und nie weiß man so richtig, welche Wendung als nächstes um die Ecke kommt. Sie ist durchgehend authentisch, wenn auch manchmal durch Bonnies Einfälle etwas verdreht, aber gleichzeitig meist süß. Der Roadtrip ist durchgehend spannend, weil beide ständig etwas Neues erleben und man merkt schnell als Leser, dass hier etwas ganz Besonderes geschieht. Unglückliche Zufälle stapeln sich, je weiter das Buch gegen Ende voranschreitet und die Spannung steigt bis zum finalen Knall. Hier wird es noch einmal hoch dramatisch und sehr emotional -genau richtig für mich!
 
 
 

Fazit

Jetzt habe ich so viele Worte verloren und doch bleibt mir nur noch eines zu sagen: Bonnie und Finn sind etwas ganz Besonderes! So emotional und dramatisch, so besonders und verdreht und so liebenswert und süß war schon lange keine Liebesgeschichte mehr! Der Roadtrip ist gut gestaltet, die Lebensweisheiten sprechen den Leser direkt an und mir bleibt nur noch zu sagen: Unendlichkeit + 1 ergibt immer 2 – also unendlich wir!


Unendlich wir bekommt:

5/5 Herzen


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