Samstag, 8. Oktober 2016

[Rezension] Die Erbin von Simona Ahrnstedt

Samstag, 8. Oktober 2016

 
Autor: Simona Ahrnstedt
Titel: Die Erbin
Originaltitel: En enda natt
Verlag: LYX

Umfang: 604 Seiten
Preis: 14,99€
ISBN: 978-3-8025-9945-3
Leseprobe



Klappentext

Natalia de la Grip ist ein aufgehender Stern am schwedischen Wirtschaftshimmel: Sie ist klug, tough und schon jetzt eine der angesehensten Unternehmensberaterinnen des Landes. Doch diesen Erfolg musste sie sich hart erarbeiten: Denn obwohl sie als Tochter des mächtigsten Unternehmers Schwedens in die Elite der Finanzbranche hineingeboren wurde, hat ihr Vater nie einen Hehl daraus gemacht, dass Frauen seiner Meinung nach in der Wirtschaft nichts zu suchen haben. Natalia hält trotzdem unbeiirt an ihrem Karriereziel fest: eine Führungsposition bei Investum, dem milliardenschweren Familienunternehmen der de la Grips. 
Als sie eines Tages von niemand Geringerem als David Hammar, einem der erfolgreichsten Risikokapitalgeber Europas, zum Lunch eingeladen wird, ist sie zunächst überrascht. Sie willigt schließlich ein, nicht zuletzt weil sie neugierig auf den skandalumwitterten Mann ist, der sich seinen Weg aus der Arbeiterschicht nach ganz oben erkämpft hat und seit einiger Zeit die traditionsverhaftete Stockholmer Finanzwelt gehörig aufmischt. 
Aber es gibt da etwas, das Natalia nicht weiß. Etwas, das das Treffen mit David zum verhängnisvollsten Ereignis ihres Lebens machen wird. Denn David Hammar hat noch eine Rechnung mit ihrer Familie offen, die er nun ein für alle Mal begleichen will. Die letzte Schachfigur, die er dafür bewegen muss, ist Natalia. Allerdings hat er nicht mit den Gefühlen gerechnet, die die junge Frau in ihm hervorruft und die seinen seit langer Zeit geplanten Coup gefährlich ins Wanken bringen... (Bild- und Textquelle: LYX Verlag)



Meine Meinung

Bei dem Buch hatte ich keine so wirkliche Ahnung, was mich erwartet. Ich hatte nur gehofft, dass es keine schwedische Version von 50-Shades-of-Grey ist – war es zum Glück auch ganz und gar nicht! Es ist eine interessante Liebesgeschichte vor einer wohl sehr schönen und außergewöhnlichen Kulisse: Stockholm!

Die Idee des Buches ist keine völlig neuartige, aber sie ist etwas ganz Besonderes, nicht nur durch die fantastisches Kulisse Stockholms. Es geht um zwei Erwachsene Menschen, die inmitten von Intrigen, Geheimnissen und Hass die wahre Liebe finden – doch einfach haben sie es definitiv nicht. Das Buch hat ganze 600 Seiten und dennoch hatte ich persönlich fast nie das Gefühl, dass irgendetwas zu lang ist. Die Autorin verspricht viel Dramatik und die kann sie auch bieten! 
Die Umsetzung der Idee ist nämlich zusammenfassend ganz gut gelungen. Anfangs hatte ich so meine Probleme mit der Finanzwelt und den ganzen Begriffen, die mir absolut nichts gesagt haben. Glücklicherweise legte sich das schnell bzw. erklärte die Autorin die wichtigsten Dinge, was das Lesen viel angenehmer machte. Die Liebesgeschichte steht neben der beruflichen Branche klar im Vordergrund und teilweise sind die Hintergründe so durchtrieben wie in einer Seifenoper. Hier kommen Dramatik und fesselnde Spannung im Hinblick auf Liebe und Hass sehr gut ans Tageslicht. 
Mein Lesespaß war deswegen auch die meiste Zeit über sehr angemessen. In wenigen Szenen verging mir etwas die Lust am Lesen, was allerdings mit einigen Nebencharakteren zu tun hatte, mit denen ich nicht so ganz warm geworden bin. 
Der Erzählstil wechselt von Kapitel zu Kapitel zu verschiedenen Personen, dennoch begleitet man meistens die beiden Protagonisten – so bekommt man viele verschiedene Einblicke und verliert trotzdem das Wesentliche nicht aus den Augen. Der Schreibstil ist überwiegend gut, allerdings teilweise etwas holprig, was aber auch an der Übersetzung liegen kann; da bin ich mir nicht ganz sicher.

Die Charaktere, allen voran die beiden Protagonisten Natalia und David, sind mir fast durchgehend sympathisch und nicht ganz so typisch Schwarz-Weiß, wie sie anfangs gezeichnet werden. Insgesamt merkt man, wie durchdacht Ahrnstedt ihre Charaktere gestaltet hat und wie Tief ihre Facetten wirklich gehen. 
Natalia ist eine starke, unabhängige Frau, die in den besten Kreisen Schwedens aufgewachsen ist und dennoch immer um die Anerkennung ihres Vaters kämpfen musste. Sie ist vor allem zu Beginn ein wahrer Workaholic, was sie nicht allzu sympathisch macht, da man sich mit ihr kaum identifizieren kann. Mit der Zeit ändert sich dies jedoch; Natalias Welt geht mehr und mehr in die Brüche und ja, das macht sie menschlicher und sympathischer. Man kann mit ihr mitfühlen und mitfiebern – doch lässt sie sich nie brechen und das ist ein ausgesprochen starkes Merkmal an ihr. 
Dagegen ist ihr Love-Interest David von einer anderen Sorte: er versprüht einen außerordentlich hohen Charme, so dass man ihm genauso schnell verfällt wie Natalia. David trägt das Herz auf der Zunge, doch hat auch er seine Geheimnisse und ist tief getrieben von Rache und Hass. David ist wesentlich vielschichtiger als Natalia und genauso sympathisch wie sie. Denn obwohl er regelmäßig Firmen kauft, sie total umkrempelt und wieder verkauft tut er nie etwas mit einer absolut bösen Absicht. Beide entwickeln sich übrigens im Laufe der Geschichte sehr gut weiter, was ich authentisch und gut finde. 
Die Beziehung der beiden ist smart und schon am Anfang haben mir die wärmenden Gespräche gefallen, die im Gegensatz zur knallharten Finanzwelt stehen. Ich mochte es sehr, wie David sich nie so richtig von ihr lossagen konnte und wie realistisch sich ihre Anziehung entwickelt hat, auch über einen größeren Zeitraum hinweg. Dabei ging es mir nie zu schnell und die einfließende Dramatik tut ihr übriges dafür, dass bei mir des Öfteren die Emotionen einfach nur hochgekocht sind! Die spärlich gesäten erotischen Szenen hat die Autorin wirklich gut geschrieben und passten gut in das eher romantisch-dramatisch angelegte Grundgerüst der Beziehung. Gegen Ende des Buches überschlugen sich dann auch hier die Ereignisse, was ich allerdings dann doch etwas zu schnell empfand – da hätte ein weniger dickes Happy-Ending auch gereicht.

Die Handlung beginnt – wie oben schon einmal kurz angerissen – ein wenig holprig. Zunächst fand ich mich nicht wirklich gut zurecht in der Finanzbranche und bei den ganzen mir fremden Begriffe war mir wirklich nicht ganz so wohl. Durch die sympathischen Charaktere konnte ich diesen etwas schwierigen Start dann aber hinter mir lassen und ließ mich gern an die Geschichte fesseln. 
Von einer richtigen Spannung ist bei diesem Buch nie die Rede – eher immer ein gewisses Grundmaß an Dramatik, was die Handlung weiter vorantreibt. Das Buch ist durch und durch ein Liebesroman und weiß mit Emotionen zu fesseln. Leider treten auch im Verlauf einige sehr klischeehafte Charaktere auf, z.B. Natalias Eltern, die mir durch ihre Antisympathie doch ein wenig die Laune vermiest haben. Noch nerviger fand ich allerdings ihre beste Freundin Asa, die sich einfach nur absolut kindisch verhält für ein Alter von Anfang/Mitte 30. 
Gut, sei es drum: ich blieb am Buch dran. Gerade wegen den viele gelüfteten Geheimnissen, die so einiges immer und immer wieder drehten. Mir war das gesamte Buch über nie langweilig – und das soll bei über 600 Seiten eines Liebesromans schon etwas heißen! Es gab ständig neue Entwicklungen, die Autorin legte immer mit neuen Enthüllungen nach wie als würde sie einen Kamin mit Holzscheiden füttern. Teilweise rauchte mir dann auch der Kopf... 
Das Ende war alles in allem recht gut. Ahrnstedt fand gute Lösungen für die ganzen auftretenden Probleme, die man auch sehr realistisch nachvollziehen konnte und nicht an den Haaren herbei gezogen waren. Allerdings war mir das am Schluss alles ein wenig zu viel: too much Happy-Ending. Da hätten ein paar weniger Entwicklungen auch gereicht.
 
 
 

Fazit

Für mich war „Die Erbin“ ein wirklich emotionsgeladener Roman vor der wunderschönen Kulisse Stockholms, der mich im Großen und Ganzen überzeugen konnte. Die Hauptcharaktere sind sympathisch, ihre Beziehung entwickelt sich realistisch und die gut eingesetzten erotischen Szenen prickeln nur so beim Lesen. Die Autorin verfolgt stets einen roten Faden, was wirklich gut war und genügend Dramatik und Emotionen hervorruft. Durch einige kleine Kritikpunkte, z.B. unsympathische Nebencharaktere, kann ich dann dennoch nicht volle Punktzahl geben – bin aber mehr als zufrieden mit dem Buch und bestelle bereits Band Zwei!


Die Erbin bekommt:

4/5 Herzen

 
 
Band 1: Die Erbin
Band 2: Ein einziges Geheimnis
Band 3: Alles oder nichts (erscheint im März 2017)
 
 

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