Sonntag, 4. September 2016

[Rezension] Seit ich dich gefunden habe von Kat French

Sonntag, 4. September 2016



Autor: Kat French
Originaltitel: The Piano Man Project
Umfang: 348 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-9564-9560-1



Klappentext

Der Frühstücksspeck verbrannt, dazu ein Feuermelder, der einen Höllenlärm veranstaltet – wenn das kein gelungenes Katerfrühstück ist. Honey ist genervt, und dann mischt sich auch noch ihr unausstehlicher Nachbar Hal ein und beschimpft sie. Er könnte ja zumindest anbieten, ihr zu helfen. Stattdessen lässt er sie einfach stehen und verschwindet wieder in seine Wohnung. 
Trotzdem, irgendwie hat Honey das Gefühl, dass sich mehr hinter seiner abweisenden Art verbirgt, und sie beschließt, nicht einfach aufzugeben und sich mit ihm anzufreunden. Schließlich ist er Koch, da kann er ihr bestimmt einiges beibringen. Doch dann erkennt Honey: Hal ist blind. Ist es vielleicht eigentlich er, der ihre Hilfe braucht? (Bild- und Textquelle: Mira Taschenbuch Verlag)



Meine Meinung

Wieder mal ein Buch, wo ich mit einer bestimmten Erwartungshaltung heran gegangen bin. Hier habe ich eine süße, romantische Geschichte erwartet, die auch einige Lebensweisheiten verkörpert. Immerhin ist der männliche Protagonist blind, und das hat mich so neugierig gemacht. Doch was bekam ich mal wieder? Das genaue Gegenteil: eine größtenteils nervige, sexistische Story ohne Sinn und Verstand.

Die Idee hinter dem Buch klingt ja auf den ersten Blick wieder mal richtig gut und voller Potential: der männliche Protagonist ist blind und für mich war es das erste Buch, was ich in diese Richtung las. Automatisch hatte ich mich auf eine süße, romantische Geschichte eingestellt, bei der Honey das Herz ihres Nachbarn erobern kann und beide Friede-Freude-Eierkuchen backen. 
Die Umsetzung dieser Idee sieht mal wieder ganz anders aus: Honey ging mir sehr schnell auf den Keks, während Hal ein übelgelaunter, trinkender Mann ist, der alles und jeden beleidigen muss. Gut, etwas kann ich ihn schon verstehen – aber irgendwann hört auch diese Art von Verständnis auf. Es gab auch keine süße, romantische Geschichte. Eher ein Hin und Her, was durchzogen war mit vielen arrangierten Blind Dates und dutzenden Besuchen im Sexshop, was schon von Anfang an Überhand nahm. Gut, ab und an war die Story der beiden auch süß, aber dann eher im letzten Viertel und auch nur zeitweise. 
Mein Lesespaß war demnach auch eher durchwachsen: gerade der Beginn hat mich schon richtig verärgert und irgendwie quälte ich mich den Großteil des Buches durch das Buch. Wenige Szenen zwischen Honey und Hal brachten mich zum Lächeln; den Rest empfand ich als nervig. Irgendwann konnte ich störende Dinge ausblenden, was das Buch angenehmer machte, mich aber nicht freudiger lesen ließ. Auch die unpersönliche Perspektive des Sprechers schuf eher mehr Distanz als Nähe zu den Charakteren. 
Von Emotionen will ich ja am liebsten erst gar nicht anfangen! Ich erhoffte mir viel Herzschmerz und Tränen; Szenen, die mich tief berührten. Aber die meiste Zeit war ich wütend oder genervt und auch fehlte die Emotionalität zwischen den Charakteren, was sehr schade war.

Die Charaktere waren vor allem Anfangs weniger als das, was einem in der Inhaltsangabe versprochen wurde. Die Protagonistin Honey – wohlbemerkt: was für ein dämlicher Name! - ist eine Frau Mitte Zwanzig, die noch nie einen Orgasmus gehabt hat. Das zeichnet sie erst mal für längere Zeit aus... gut, später kommt dann noch ein Pfadfindersyndrom dazu, da sie alles und jedem immer helfen muss. Honey ist in jedem Charakterzug verdammt überzogen und unrealistisch. Gespräche mit anderen Charakteren wirken teilweise sehr gestellt. Hellsehen kann sie übrigens auch, da sie gleich ahnt, dass Hal etwas Schlimmes passiert sein muss... Ms. Perfekt, herzlichen Willkommen! Honey entwickelt sich zwar weiter, wurde mir aber nicht mehr sehr sympathisch. Ich habe sie dann einfach irgendwann akzeptiert. 
Dagegen ist Hal wesentlich interessanter als Honey, wenn er auch bestimmte Verhaltensmerkmale zugeschrieben bekommt, die überspitzt dargestellt werden. Das interessanteste an ihm ist seine Blindheit. Man erfährt mit der Zeit grob, wie es dazu gekommen ist und was er alles aufgeben musste. Man versteht seinen Frust und seine Einsamkeit – aber auch hier stellt es die Autorin teilweise zu krass dar, was erneut unnatürlich wirkt. Schön zu sehen ist, dass Hal sich im Laufe der Geschichte weiterentwickelt und sich selbst akzeptieren kann. 
Die Beziehung der beiden ist kurz gesagt kompliziert. Während sie sich zunächst hassen, kann Honey Hal immer weiter aus der Reserve locken, nur damit er sie wieder von sich stoßen kann... das geht eine ganze Weile so. Diesen Teil der Beziehung fand ich auch recht nervtötend und schrecklich; auch ihre Gespräche an der Tür fand ich nicht sofort romantisch, eher grauenvoll. Am Ende des Buches konnte ich mich mit beiden anfreunden und die ersten niedlichen Szenen im Buch finden. Noch einmal die Kurve bekommen!

Die Handlung beginnt und ich war sofort auf 180, denn: sie beginnt in einem Sexshop. Genau DAS wollte ich bei diesem Buch haben! Die ersten zwölf Seiten drehen sich nur um Sex... bis Honeys geniale Freundinnen auf die Idee kommen, sie doch zu verkuppeln. Nach diesem Beginn hätte ich bereits am liebsten angebrochen, aber ich habe mich zusammen gerissen und weiter gelesen. Mit der Zeit legte sich diese fanatische Suche nach dem perfekten Orgasmus zum Glück und wurde nur noch Nebensache – machte Platz für die Liebe! Vorhersehbar war die Story dennoch weiterhin und Spannung kam bei mir eigentlich gar nicht auf. 
Weiterhin gab es sehr viele Szenen mit den Pflegeheim, wo Honey ihren Job gefunden hat und ständig platzten die Rentner in die Handlung. Gut, das macht das Buch wohl auch aus: mich hat es leider Gottes echt genervt. Vor allem als die Rentner sich an den Zaun anketten... also, das war bei mir alles vorbei. Ich fand es mal wieder sehr überzogen und skurril. 
Ich quälte mich also immer weiter durch die Seiten und war teilweise ahnungslos, wieso ich das tat. Der Schreibstil ließ zwar die Seiten nur verfliegen, aber dazu kam, dass ich viele lächerliche Sachen irgendwann ausblenden konnte und mich einfach nur noch durchfraß, um das Buch zu beenden. 
Das Ende kam und kam jedoch einfach nicht: die Autorin zog das Buch künstlich in die Länge und ließ Hals altes Leben brutal auf die beiden einbrechen. Auch hier waren die Ideen nur so an den Haaren herbei gezogen; ich merkte einfach, dass es hier um mehr geschriebene Seiten ging. Das Ende selbst war unspektakulär und ließ mich etwas enttäuscht zurück. Hier wurde an Seiten gespart; ernsthaft!



Fazit

„Seit ich dich gefunden habe“ klingt nach einer zuckersüßen Liebesgeschichte mit emotionalen Charakteren, doch dieser Eindruck täuscht! Die Autorin kreiert überzogene Charaktere, die man mit der Zeit akzeptieren kann und deren Beziehung nur wenige ergreifende Emotionen hervorrufen kann. Die Handlung ist überspitzt und skurril und geprägt von Szenen, die mich einfach genervt weiterblättern lassen. Das verschenkte Potential der Idee wurde auch nicht durch einen guten Schreibstil, wenige romantische Szenen oder eine gute Charakterentwicklung wett gemacht. Das Buch war gebrandmarkt und ließ mich insgesamt eher enttäuscht zurück. 


Seit ich dich gefunden habe bekommt:

2,5/5 Herzen

 

2 Kommentar[e]:

  1. Du bist ja nicht die Erste, der das Buch so gar nicht gefallen hat und ich bin ECHT froh, dass ich die Geschichte schon vom Klappentext her so seltsam fand. Wie kann man denn nicht merken, dass der andere blind ist?! Ich glaube, Hal wäre auch so jemand, den ich permanent scheiße finden würde, ich mag einfach keine fiesen Kerle :D

    Ich bin jedenfalls froh um deine Rezension, denn nun weiß ich ganz sicher, dass ich das nicht lesen brauche. Ein Glück! ;)

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  2. @Kittyzer:
    Glaube mir, nicht zu merken, dass Hal nicht blind ist war eines ihrer kleinsten Probleme. :> Ich glaube, du würdest beide permanent scheiße finden, so wie ich :D Deine Wertung wäre ähnlich, wenn nicht sogar etwas schlechter ausgefallen. Ganz sicher! :D

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