Dienstag, 30. August 2016

[Rezension] Nur ein Tag von Gayle Forman

Dienstag, 30. August 2016


Autor: Gayle Forman
Titel: Nur ein Tag
Originaltitel: Just One Day
Reihe: Just One Day #1
Verlag: Fischer
Umfang: 424 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-8414-2106-7

Klappentext

Allysons Leben ist genau wie ihr Koffer – überlegt, geplant und ordentlich gepackt. Doch am letzten Tag ihrer dreiwöchigen Europatour lernt sie Willem kennen. Sofort knistert es zwischen den beiden. 
Als freier, ungebundener Schauspieler ist Willem all das, was die 18-jährige Allyson nicht ist, und als er sie einlädt, mit ihr nach Paris zu kommen, trifft sie spontan eine für sie untypische Entscheidung. Sie ändert ihren Plan und geht mit ihm. 
Nach nur einem gemeinsamen Tag wird aus dem Knistern ein Brennen … bis Allyson am nächsten Morgen aufwacht und feststellen muss, dass Willem nicht mehr da ist. (Bild- und Textquelle: Fischer Verlage)




Meine Meinung

Die ersten Gedanken, die ich zu diesem Buch hatte, als ich den Klappentext gelesen habe: es klingt romantisch, kitschig und klischeehaft. Letzteres gerade wegen diesem einen Tag, an denen sich beide Charaktere so unsterblich verlieben soll.. leider wurden einige Klischees bestätigt und bei anderen konnte mich Forman gut vom Gegenteil überzeugen!

Das Buch ist zunächst in zwei Teile eingeteilt: Teil Eins ist dieser verheißungsvolle Tag. Die Geschichte beginnt ganz locker aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Allyson. Sie und ihre Freundin Mel sind auf Europareise unterwegs, bevor sich ihre Wege auf unterschiedliche Colleges trennen sollen. 
Die Idee hinter der Geschichte ist, wie oben schon angedeutet, zwar romantisch, aber auch elend kitschig und klischeehaft. Gerade dieses: „Es knistert sofort!“ und dieses „Mit einem Wildfremden einfach in eine komplett fremde Stadt fahren ohne die Sprache zu kennen!“. Gut, es ist die Idee der Autorin... 
Und es ist die Sache , was sie daraus macht. Womit ich zur Umsetzung komme: es ist gut, aber es geht auch besser. Forman bedient natürlich angedeutete Klischees, was ich nicht besonders toll fand, vor allem weil die Verhaltensweisen der Protagonistin nicht zu ihrem restlichen Charakter passen und es deshalb alles ein wenig erzwungen wirkt. Was ich gut gelungen fand war, dass das Buch weit über diesen einen Tag hinausgeht – nämlich im zweiten Teil: ein ganzes Jahr. Es macht vieles authentischer, aber eben auch nicht alles. Insgesamt ist die Umsetzung demnach gut, aber nicht bravurös. 
Mein Lesespaß beim Buch war durchwachsen. Besonders genossen habe ich den Trip durch Paris und alle anderen Zwischenstopps auf der Welt, denen man so begegnet ist. Gerade diese Beschreibungen und Erlebnisse haben mich begeistern können. Auf den Rest hätte ich gut und gerne verzichten können.

Die Charaktere sind überschaubar und vom Sympathiegrad her sehr unterschiedlich. Am meisten hat mich gestört, dass Forman Charaktere schafft und sie dann einfach komplett gegensätzlich handeln lässt. Gut beobachten kann man die Charakterentwicklung der Protagonistin Allyson. Sie ist ein strukturierter, vorsichtiger Mensch, der vor allem im Laufe der Handlung (also, innerhalb des Jahres) sie selbst wird und auf ihr Bauchgefühl hört, anstatt auf ihre einengende Mutter. Mir gefielen allerdings ihre gegensätzlichen Verhaltensweisen zu Beginn nicht; d.h. sie entscheidet sich einfach so mit einem Wildfremden mit nach Paris zu fahren – sehr gegensätzlich zu ihrem Charakter. Für mich ist das zu erzwungen und an den Haaren herbeigezogen. Generell fand ich Allyson anfangs eher unsympathisch, kindisch und so nervig. Ich bin froh über ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte, was sie erträglicher und ja sogar etwas sympathisch macht. Nur musste die Autorin sie immer wieder als Buhmann in die Ecke stellen – ohne Freunde, ganz einsam. Und nur auf der Suche nach Willem... ich hatte wirklich mehr Charaktertiefe erwartet und weniger Manipulation der Autorin. 
Willem ist ein charmanter, ungebundener Schauspieler, der das ganze Buch über ein Geheimnis bleibt. Da Allyson nicht viel über ihn herausfindet, außer dass er ein ziemlicher Charmeur und Aufreißer zu sein scheint, weiß man schlussendlich einfach nicht viel über ihn. Aber mit seinem besonderen Witz hat er irgendwas und ich kann kaum erwarten, sein Buch zu lesen und die letzten Rätsel zu lösen! 
Die Beziehung der beiden ist süß. In erster Linie soll sie romantisch sein, für mich ist sie an vielen Punkten auch extrem kitschig und an anderen genau richtig. Gerade Allyson hat mir die erste Zeit der beiden ein wenig vermiest, allen voran ihre Eifersucht... - bei einem Jungen, den sie wenige Stunden kennt. Gerade diese Liebe an einem Tag ist für mich ein No-Go – und ja! Ich wusste worauf ich mich bei dem Buch einlasse, dennoch denke ich, hätte man es anders lösen können... Auch Allysons fanatische Ausrichtung auf Willem, die Suche und ihre „Depression“ sind für mich teilweise echt zu viel des Guten. 
Die Handlung und ihre Schauplätze sind sehr abwechslungsreich. Die erste Hälfe des Buches spielt nur in Paris und dieser ganz besondere Stadttrip hat mir sehr gut gefallen! Ich hatte Paris förmlich vor Augen, ohne jemals dort gewesen zu sein. Gerade die tollen Beschreibungen und Willems Charme konnten mich an das Buch fesseln. 
Nachdem das Buch in einen Jahresüberblick geht hatte ich das Gefühl, dass Emotionen und Entwicklungen dem Zeitintervall endlich gerecht werden. Allyson reagiert sogar die erste Zeit sehr realistisch auf Willems plötzliches Verschwinden; sie entwickelt sich weiter und ich bin weiterhin sehr interessant. Eine unterschwellige Spannung ist dennoch nicht wirklich vorhanden. Das Buch ist ein seichter Genuss und versucht mit Emotionen zu punkten. Was ihm teilweise echt gut gelingt! Im Verlauf ging mir leider Allyson wieder nur auf die Nerven mit ihren überzogenen Reaktionen; all ihre Entwicklungen sind abhängig von diesem einen Tag in Paris und die Autorin wirkt dabei wirklich fanatisch... gruselig. 
Gegen Ende des Buches begibt sich Allyson nun endlich wirklich auf die Suche nach Willem, nachdem sie sich Monate davor vorbereitet, geheult und genervt hat. Diese Szenen waren endlich wieder angenehm und ernteten wieder Pluspunkte. Am Ende gibt es sogar eine Moral von der Geschicht' und sehr offene Worte, die den Leser quasi zwingen zu Band Zwei zu greifen – mich eingeschlossen!


Fazit

„Nur ein Tag“ ist eine süße Liebesgeschichte, bei der die Autorin sehr fixiert ist auf das schnelle Verlieben und das große Leiden nach einer wortlosen Trennung. Besonders gut gefallen haben mir die Szenen rund um Paris und die anderen Städte, die mich abenteuerlustig inspiriert haben für eigene Reisen. Doch die meistens nervige Protagonistin konnte mir manche Situationen vermiesen und Klischees bestätigen. Insgesamt aber ist es ein gutes Buch, wobei ich mir von Band 2 wesentlich mehr erhoffe und nun gespannt darauf warte.


Nur ein Tag bekommt:

4/5 Herzen



Band 1: Nur ein Tag
Band 2: Und ein ganzes Jahr
Bonusstory: Und noch eine Nacht


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