Mittwoch, 18. November 2015

[Rezension] Flammen über Arcadion von Bernd Perplies

Mittwoch, 18. November 2015


Reihe: Carya #1
Verlag: Egmont LYX
Umfang:
519 Seiten
Preis: 19,99 €uro
ISBN: 978-3-8025-8637-8
Leseprobe



Klappentext

Durch den Sternenfall und die Dunklen Jahre wurden weite Teile der Welt verwüstet und verseucht. Die Menschen drängen sich in den wenigen verbliebenen Städten, während die Wildnis von Mutanten und gefährlichen Banden beherrscht wird. 
Die sechzehnjährige Carya lebt wohlbehütet mit ihren Eltern in Arcadion, wo der religiöse Orden des Lux Dei für Sicherheit und Ordnung sorgt. Doch das vermeintliche Paradies besitzt auch seine dunklen Seiten, wie Carya schon bald am eigenen Leib erfahren muss. Ihre Freundin Rajael bittet sie um Hilfe, als ihr Geliebter Tobyn von der Inquisition festgenommen wird. Tobyn ist ein Invitro, ein künstlich gezeugter Mensch. Allein durch seine Existenz verstößt er damit gegen das Gesetz der Lux Dei, der in den Invitros gottlose Kreaturen sieht, dies es auszumerzen gilt. Daher drohen ihm grausame Folter und die Todesstrafte. Carya und Rajael gelingt es, sich in den Schauprozess einzuschleichen, zu dem sonst nur hohe Würdenträger Zugang haben. Mit Entsetzen verfolgt Carya die schrecklichen Geschehnisse im Gerichtssaal und begeht schließlich eine verzweifelte Tat, um Tobyn die Qualen der Folter zu ersparen. 
Dadurch gerät sie selbst ins Fadenkreuz der Inquisition und ist fortan auf der Flucht. Ihre einzige Hoffnung ist der junge Templersoldat Jonan, der sich überraschend auf ihre Seite schlägt und sein Leben aufs Spiel setzt, um Carya zu retten. (Bild- & Textquelle: Egmont LYX)



Meine Meinung

Dieses wundervolle Cover und die Tatsache, dass es sich bei diesem Buch um eine Dystopie handelt, hat mich eindeutig bestochen. Außerdem die Marke „Egmont LYX“, die in meinem Regal sowieso zu Hauf Einzug gehalten hat. Ich hatte also ein richtig gutes Gefühl, als ich das Buch begonnen habe, kann aber schlussendlich nur auf ein mittelmäßiges Werk zurückblicken.

Zu Beginn der Handlung lernt man Carya kennen, die man fortan auf Schritt und Tritt begleiten darf. Carya wirkt als Protagonistin in vielen Situationen blass und man kommt ihr oftmals nicht so nah, dass man eine anständige Beziehung zu ihr aufbauen kann. Ihr Charakter ist vor allem geprägt von Naivität und die gezwungene Entwicklung von ihr zu einer starken Persönlichkeit konnte ich dem Autor nicht ganz abnehmen – die ging mir auch insgesamt zu schnell von statten. 
Der nächste Charakter ist Jonan, ein junger Mann bei der Elite-Garde des Lux Dei den „Schwarzen Templern“ bei denen er nur ist, weil sein Vater das so wollte. Dieser ist ein hohes Tier in Arcadion, ein Ratsherr – dies spielt aber keine weitere Rolle im Buch. Also, da habe ich mir ja irgendwie mehr erhofft. Jonan selber wirft für Carya sofort sein ganzes Leben weg und rettet sie von einer Situation zur Anderen ständig. Er ist ein wahrer Gutmensch und seine Motive sind verständlich, dennoch bleibt auch er mir eher distanziert und unwirklich. 
Auch ihre Beziehung überzeugte mich eher weniger und zwar genauso wenig wie hier eine Annäherung vorhanden war. Sie sehen sich und tun sofort alles füreinander – schön und gut, wenn man mehr daraus gemacht hätte als diese oberflächliche Aussage. Denn irgendwann lieben sich die beiden einfach und damit ist es gut. Das war mir leider zu wenig, es sprang kein Funke und keinerlei Emotionen über. Schade! Verschenktes Potential, da die Vorlage für Emotionen und Dramatik gelegt war.

Zusammen mit Carya lernt man also die Zusammenhänge der geschaffenen Welt von Bernd Perplies kennen. Dabei hat der Sternenfall die Welt gänzlich zerstört und in eine Dunkle Zeit gerissen, durch die der religiös-fanatische Orden der Lux Dei die Menschheit erfolgreich geführt hat. Nun leben die Menschen nach deren Vorstellungen und alles was nicht da hinein passt, wird exekutiert. Dabei befinden wir uns in einer mittelalterlich angehauchten Welt, die teilweise von technischen Fortschritten profitiert – ein interessanter Mix! Der Autor hat damit innovative Ideen geschaffen, die insgesamt ein rundes Bild ergeben. Alle wichtige Fragen nach dem „Wie“ und „Warum“ werden geklärt. Ich fühlte mich fast sofort wohl in Arcadion und der neuen Welt, die sich mir eröffnet hat. 
Dennoch finde ich die Anfänge der Handlung viel zu lang gezogen. Die Story tritt teilweise auf der Stelle herum, alles wirkt sehr einleitend und erzählend. Dies nahm das gesamte Buch über nur geringfügig ab mit wenigen spannenden Szenen; ich musste mich an den erzählenden Stil gewöhnen. Dies fiel mir allerdings eher schwer, da ich doch eher Geschichten mit mehr Pfeffer gewohnt bin und selbst das Ende mir nicht so spannend erschien, wie es womöglich wirken sollte. Dennoch war ich gefesselt an das Buch, was ja dann doch wieder für sich spricht.

Denn irgendwann bricht dann doch mal das Chaos los, die Geschichte kriegt Schwung und überrascht. Ich bekam Spannung und Emotionen geliefert. Teilweise wurde es dann aber auch schon richtig abgespacet und zwar als Carya auf den Spuren ihrer Vergangenheit wandelt. Dies war gleichzeitig auch spannend, aber diese guten Phasen wechselten sich mit den eher nicht so guten Phasen ab. Mir wurde teilweise einfach zu viel geredet und zu wenig gehandelt und das hat dem Buch auch diese mittelmäßige Bewertung beschert. 
Der Schreibstil von Perplies ist größtenteils angenehm, an vielen Stellen aber auch ausschweifend und sehr langatmig, was den einleitenden, erzählenden Effekt verstärkt. Ich denke, es ist einfach sein Stil, so zu schreiben, was einigen Lesern sicherlich mehr gefallen wird als mir. Denn mir war es teilweise einfach zu ausgeschmückt, was bei mir manchmal einen tiefen Seufzer hervorgerufen hat. 
Auch kurz vor dem Finale war ich nicht richtig spannungsgeladen und konnte teilweise das Ende vorhersehen. Dennoch bin ich am Ende des Buches mehr als neugierig auf den Weitergang der Geschichte – denn ich hab echt keine Ahnung, wie hier überhaupt noch etwas geklärt werden soll. Ich bin gespannt, Herr Perplies!

Fazit

„Flammen über Arcadion“ hat eindeutig seinen ganz eigenen Charme: der Weltentwurf ist verlockend und kommt mit einem erzählenden, wenn auch teilweise langatmigen Schreibstil gut rüber. Zu den Hauptfiguren besteht eine gewisse Distanz, die hoffentlich in den Folgebänden ausgeräumt wird. Emotionen und Spannung sind eher Mangelware, die Handlung wechselt sich mit guten und nicht so guten Phasen ab. Am Ende des Buches bin ich dennoch neugierig auf den Weitergang der Geschichte und werde Band Zwei dennoch lesen! 


Flammen über Arcadion bekommt:

 3/5 Herzen


Band 1: Flammen über Arcadion
Band 2: Im Schatten des Mondkaisers
Band 3: Das geraubte Paradies

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