Dienstag, 14. Oktober 2014

[Rezension] Vor uns das Leben von Amy Harmon

Dienstag, 14. Oktober 2014


Autor: Amy Harmon
Originaltitel: Making Faces
Verlag: Egmont INK
Umfang:
378 Seiten
Preis: 14,99 €uro
ISBN: 978-3-8639-6073-5
Leseprobe



Klappentext

Ambrose, der Star der Highschool, der Held einer ganzen Stadt. Er scheint alles zu haben – und doch kämpft er mit Problemen, die der Außenwelt verborgen bleiben. Bailey, der Junge im Rollstuhl. Er ist krank, weiß, dass er sterben wird. Und er lebt jeden Tag seines Lebens, als wäre es sein letzter. Fern, die schlau ist, aber nicht hübsch, und trotzdem in allem um sich herum das Schöne erkennt. 
Fern, Bailey und Ambrose. Drei Jugendliche in einer Kleinstadt in den USA, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Drei Jugendliche, die dachten, sie wüssten, was das Leben für sie bereithält. Und denen das Schicksal in die Quere kommt...(Bild- & Textquelle: Egmont INK)



Meine Meinung

„Vor uns das Leben“ ist ein schier epischer Titel, denn eigentlich sagt er im Großteil alles, was gesagt werden muss. Ich war sehr gespannt, wie das Schicksal die drei Leben von Fern, Bailey & Ambrose miteinander verwebt und vor allem, was es für sie bereithält.

Der Prolog hat einen tieferen Sinn, denn hier wird die Sage von Herkules thematisiert. Diese wird noch öfters aufgegriffen, spielt eine wichtige Rolle für Selbsterkenntnisse und findet sich auch im Epilog wieder. Eine Sage, deren Grundgedanken eine wichtige Rolle für die Handlung spielt. Ich finde, schon allein das ist Amy Harmon sehr gut gelungen! Auch die folgenden Kapitel trugen alle eine Kapitelüberschrift, die sowohl auf den jeweiligen Abschnitt zutraf, als auch wieder einen tieferen Sinn verbarg, wie man schon bald erkennen darf. Um das drum herum wurden sich eindeutig genug Gedanken gemacht! 
Womit ich nun zum wichtigsten Bestandteil der Geschichte komme: die Charaktere. Da wäre als erster Bailey, der seit ein paar Jahren im Rollstuhl sitzt und an Muskeldystrophie erkrankt ist, wodurch er sich immer weniger bewegen kann. Bailey ist trotz allem sehr lebensfroh, sehr weise, ab und an etwas kindisch und besitzt einen besonderen Humor. Seine beste Freundin Fern ist die kleine graue Maus, die sich selbst für hässlich hält und später zum wunderschönen Schwan wird. Anschließend ist da noch Ambrose, der Schulschwarm – verdammt gut aussehend, verdammt talentiert und generell verdammt perfekt. 
Teilweise strotzen diese drei nur so von Klischees, welche sich später ändern und in neue Klischees verwandeln. Ab und an können sie einen aber auch überraschen. Insgesamt hatte ich, trotz Klischees, keine Probleme mit den dreien, mochte sie sehr gern und fand sie sympathisch. Man erlebt ihre Charakterentwicklung mit, was ich ebenso positiv fand. 
Auch wenn man ihnen nicht ganz so nah kommt, wie man es vielleicht erwartet hätte. Durch eine gewisse Distanz zu den dreien begleitet man sie in der Geschichte, was auch die emotionale Seite etwas einschlafen ließ. Natürlich gab es da Szenen, die mich zu Tränen gerührt haben, aber genauso gut habe ich Szenen gelesen, die einfach so an mir vorbeigingen. Schade, das hätte man besser machen können! 
Außerdem finde ich fast alle Nebencharaktere noch klischeehafter als die Hauptpersonen: unnötige Dramen werden heraufbeschworen! Hier hätte man das Augenmerk wirklich mehr auf die Hauptpersonen lenken müssen.

Amy Harmons Schreibstil fand ich den Situationen stets angemessen, flüssig und melodisch, manchmal ein wenig zu metaphorisch – im Großen und Ganzen aber gut. 
Der Wechsel von Gegenwart und Erinnerungen gefiel mir vor allem am Anfang sehr gut und ich war gefesselt. Doch bei mir kam einfach keine Spannung auf, weder am Anfang, noch am Ende vom Buch. Klar, das Buch wollte eindeutig mit Emotionen punkten, doch auch das schafft es nicht immer. Es wird viel Wert auf die Figuren gelegt, auf ihre Beziehungen und ihre Leiden. Das Buch wirkt gerade dadurch manchmal ziellos und sehr oberflächlich, was ich auf den ersten Blick niemals erwartet hätte! 
Sehr gut fand ich auch alle zukünftigen Sprünge, die bis zu mehrere Monate betrafen, denn so konnte man sich sicher sein, dass jede einzelne Szene sehr zur Fortführung des Buches beitrug und jedes Wort einen Sinn hat. So war jedes Ereignis im Buch wichtig und aussagekräftig für die weitere Entwicklung. 
Doch musste ich ein paar Sachen feststellen, die eindeutig der Willkür der Autorin betrafen. Zum Beispiel als Ambrose beschloss, zur Armee zu gehen und seine vier besten Freunde a) nichts besseres zu tun haben und b) einfach so mitkommen. Dies und ein paar andere „zufällige“ Begebenheiten ließen mich am Buch zweifeln. 
Im krassen Gegensatz dazu stehen die vielen tollen Lebensweisheiten, die perfekt mit dem Geschriebenen verwoben sind und teilweise sehr unterschwellig herauskommen, dennoch aber definitiv begeistern. 
Und doch schlägt das Schicksal grausam zu, und das gleich mehrmals. Es geschieht vor allem gegen Ende Unvorhersehbares, wo Emotionen hoch kochen sollten, sie sich bei mir aber erneut in Grenzen hielten. 
Der Abschluss war insgesamt herrlich süß, ein wenig episch durch den Epilog und ging mir wegen diesem dann doch recht nah. Doch meine abschließende Bewertung ist wirklich schwankend...

Fazit

Ich bin Hin- und Hergerissen, wie ich „Vor uns das Leben“ nun schlussendlich finden soll. Auf der einen Seite glänzte es mit tollen Lebensweisheiten, einer langen Charakterentwicklung, den perfekten Worten und einer sehr guten Idee. Auf der anderen Seite sind da viele Klischees, eine Handlung, die lange Zeit ziellos wirkt, und Emotionen, die durch eine gewisse Distanz zu den Charakteren fast nie so richtig ankommen...
Schwierig: eine unglaubliche Geschichte übers Leben, zu der man schlussendlich doch nicht so viel Bezug findet. Schade!


Vor uns das Leben bekommt:

3,5/5 Herzen


3 Kommentar[e]:

  1. Hmm, so hin und hergerissen wie du beim Buch warst, bin ich auch mit meiner Entscheidung das Buch zu lesen. Man hört einfach so viel Unterschiedliches und dann hab ich generell noch ganz gerne Schwierigkeiten mit Contemporary Jugendbüchern. Aber mal sehen, vielleicht tausche ich es irgendwann einmal ;)

    Liebe Grüße,
    Tina

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  2. Sodela, es hat ein bisschen gedauert, aber ich dachte mir, wo ich doch grad so schön am Lesen bin und auch schon 1/3 geschafft habe, lasse ich dir mal eben ein kleines Kommentärchen da ;)

    Kann mich dir bisher nur so mittelmäßig anschließen, aber du weißt ja auch, dass ich solche Bücher sehr gerne mag :D Das mit Ambroses Freunden, die einfach mal so mitkommen, fand ich auch ein bisschen weit hergeholt, Ambroses Wahn mit dem Krieg finde ich etwas seltsam und unerklärt UND das Kriegs-Gerede ich schon SEHR patriotisch, das muss man ja mal sagen - aber ansonsten ist es bei mir momentan definitiv bei 4*, denn ich mag mich gar nicht mehr so losreißen, weil ich es toll finde, wenn die Protagonistin mal nicht die unendliche Schönheit ist :D

    So, mein Senf dazu zu später Stunde, ich gehe jetzt auch mal ins Bett ;)

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  3. Ach ja, aber das mit den Lebensweisheiten, da gebe ich dir noch recht, die mag ich bisher auch ;) Stimme dir also doch mehr zu als gedacht, höhö. Trotzdem, ich mag es wohl mehr :D

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