Freitag, 3. Oktober 2014

[Rezension] Götternacht von Anna Bernstein

Freitag, 3. Oktober 2014


Titel: Götternacht
Verlag: Bastei Lübbe
Umfang: 397 Seiten
Preis: 9,99 €uro
ISBN: 978-3-4041-7012-8


Klappentext

Jedes Jahr feiert das Volk der Pferdeherren ein Fest, um seinen Gott Chiron zu ehren. In dieser Nacht werden alle Gesetze außer Kraft gesetzt, und ein Trank sorgt dafür, dass sich niemand an die Geschehnisse erinnert. Die 20-jährige Leah darf in diesem Jahr das erste Mal an dem Fest teilnehmen. Auch sie vergisst alles, was geschah – außer in ihren Träumen. Dort sieht sie eine Nacht voller Leidenschaft und einen Mann, der ihr Herz stahl. Und Geheimnisse, die die Grundfesten ihrer Welt erschüttern... (Bild- & Textquelle: Bastei Lübbe)



Meine Meinung

Zufällig bin ich auf das Buch gestoßen und mit einer neuartig klingenden Geschichte und einem frischen Schub Mythologie dachte ich mir, dass es mir bestimmt gut gefallen wird – doch dem war leider nicht so. Das Debüt von Anna Bernstein kam bei mir nicht so gut an, wie zunächst erwartet.

Der Prolog gefiel mir wirklich sehr gut, ich war sofort neugierig, was denn geschehen war. Man lernt hier eine junge Frau kennen und den Gott Chiron. Was hier geschah, konnte ich sofort erahnen und so ging es mir des Öfteren im Buch. Ich konnte sehr viel erraten, voraussehen und so wurde mir die Spannung fast komplett genommen und der Überraschungseffekt gleich dazu. 
Nach dem Prolog befinden wir uns in der Gegenwart wieder :man lernt Leah kennen, die Tochter des Clanführers der Uredos kennen. Leah hat es in ihrem Volk nicht so einfach; sie müsste eigentlich beliebt sein, doch durch ihre besondere Gabe wird sie merkwürdig beäugt. Sie kann mit Pferden reden und Pferde sind für ihr Volk die heiligsten Dinge. Vom Charakter her war Leah für mich weder rund noch eckig. Sie ist sehr naiv, jung und teilweise egoistisch. Sie hat ein großes Herz und tut auch immer ihr Bestes um jeden zu unterstützen, doch ich wurde insgesamt einfach nicht warm mit ihr. Meistens jammerte sie hoffnungslos über ihre Situation und erst sehr spät nahm sie ihr Schicksal selbst in die Hand. 
Pferde sollten in diesem Buch eine große Thematik besitzen. Dies war für mich nur sehr ungenügend erfüllt: die Pferde existieren zwar, aber so richtig gebraucht werden sie auch nicht. Auch Leahs Gabe ist für mich überflüssig – sie wird zwar genutzt, damit sie nicht gemocht wird, aber so einen richtigen ersichtlichen Grund hat sie einfach nicht gehabt. Gut begründet hätte ich damit mehr anfangen können.

Die Welt, in die die Autorin einen entführt, scheint absolut magisch zu sein. So wirkt es zumindest am Anfang. Es gibt zwei Städte in einem mehr als fruchtbaren Tal, an welches ein verzauberter und gleichzeitig verbotener Wald anschließt. Doch im Wald selbst befindet man sich fast nie, was schade ist. Denn dort herrscht die Magie und magische, tödliche Wesen – mehr Szenen mit diesen Bewohnern oder an diesem Ort hätten den langweiligen Alltag durchbrochen. Die spezielle Kultur und die Rituale waren wunderschön beschrieben und konnten mich bezaubern; ein paar Dinge gefielen mir nicht so, aber das ist hierbei wirklich Geschmackssache. Jedenfalls wurde hier etwas Neues geschaffen und das ist gut so! 
Es gibt viele Charaktere, die sehr klischeehaft erscheinen. Da wäre die von allen verhasste Außenseiterin, die in einem dramatischen, aber sinnlosen Tod, ihr Ende findet. Der Schönling, der überall beliebt ist aber eine abgrundtief böse, klischeehafte Seite besitzt und dessen 180° scharfe Wandlung ich immer noch nicht nachvollziehen kann und dann Leahs Geliebter, der einfach nur das klischeehafte perfekte Gegenteil zum Bösewicht ist. Auch Leahs Vater handelt sehr gegensätzlich und meist gegen jede Vernunft, sodass auch ihn ich nicht so richtig Ernst nehmen konnte. Einzig allein die Hüterin Aislinn war für mich wirklich gelungen, denn sie wirkt oftmals kalt und bösartig, handelt aber nach ihren eigenen Zielen und Denken, ist tief verletzt und somit so facettenreich, wie sonst niemand im Buch. Sie ist sehr vielseitig und sie zeigt nur das Gesicht, was sie anderen zeigen will. Für mich absolut perfekt!

Die Beziehung von Leah zu ihrem Mann der Träume geht so schnell voran, dass es niemals realistisch sein kann. Schon beim zweiten Treffen – auf welches man übrigens ewig warten muss – heißt es :“Manchmal glaube ich, dich schon mein ganzes Leben lang zu kennen“ (S. 227). Es wird richtig unpassend kitschig und so übertrieben, dass ich richtig sauer geworden bin. 
Die Handlung plätschert die meiste Zeit etwas vor sich hin, vor allem eben, da alles so lang braucht, bis es mal ins Rollen kommt. Es dauert ewig, bis Leah sich endlich mal dazu entscheidet, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen – das war dann so im letzten Viertel. Hier kam bei mir erstmals ein wenig Spannung auf. Am Anfang des Buches war ich gefesselt vor Neugierde, doch dass ließ dann irgendwann auch nach. Ich fand aber selbst die Handlung nicht perfekt, denn viele Probleme werden einfach aus der Welt geschafft und waren somit einfach nicht so wild. Generell war manches auch ziemlich übertrieben (eben diese kulturellen Bedingungen und dass Leahs Vater immer nur an seine Stellung gedacht hat, als an seine Tochter), so dass ich vieles nicht so Ernst nehmen konnte. 
Kurz vor dem Ende kam dann noch mal Spannung auf, die dann jedoch schnell im sehr offenen Abschluss ihr Ende fand. Für mich war das Ende nicht zufriedenstellend, denn Leahs wichtigstes Problem besteht weiterhin und auch ihre Aufgabe in der Zukunft scheint dem Scheitern verdammt, da sie es nicht tun will. Für mich einfach nur unfertig.



Fazit

Das Debüt von Anna Bernstein ist leider für mich weder rund noch eckig: es waren wundervolle Ideen, die hier meiner Meinung nach nur unzureichend umgesetzt worden sind. Viele Charaktere konnten mich bis auf eine Ausnahme gar nicht überzeugen, wichtige Elemente erschienen mir als unwichtig und auch die Handlung war eher langweilig als fesselnd. Schade um die faszinierende Welt, die hier geschaffen wurde und das ungenutzte Potential. Für mich nur ein mittelmäßiges Buch.


Götternacht bekommt:

2,5/5 Herzen



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