Freitag, 4. Oktober 2013

[Rezension] Ghostman von Roger Hobbs

Freitag, 4. Oktober 2013



Autor: Roger Hobbs
Titel: Ghostman
Originaltitel: The Ghostman
Verlag: Goldmann
Umfang:
381 Seiten
Preis: 14,99 €uro
ISBN: 978-3-4423-1337-2
Leseprobe

Es handelt sich hierbei um eine Gastrezension in einem etwas anderen Muster, die aber unter meiner Anleitung entstand.



Klappentext

Jack Delton ist ein Mann, den man kennen muss, wenn man die Spuren eines Verbrechens verwischen will. Und er ist gut, der Beste auf seinem Gebiet. Nur Wenige wissen, dass es ihn gibt, und kaum einer, wie man ihn erreichen kann.
Als Jack eine E-Mail von Marcus Fairlan bekommt, ist er daher erst einmal äußerst vorsichtig, denn Marcus kann nur einen Grund haben, ihn zu kontaktieren...
Marcus hat versucht, einen Überfall auf den Geldtransport eines Casinos zu organisieren. Aber der schlug fehl. Nun ist einer seiner Leute tot und der andere, Jerome Ribbons, auf der Flucht, und war mit der Beute. Jack soll ihn finden und die Beute sicherstellen. Dazu bleibt ihm allerdings nicht viel Zeit, denn das Geld wird in 48 Stunden hochgehen. 
Und Jack ist noch etwas aufgefallen, das ihn misstrauisch macht. Nach den Einschusslöchern zu urteilen, muss es einen dritten Schützen am Tatort gegeben haben. Wer war der dritte Mann, und was verschweigt Marcus ihm noch alles? Wird Jack auch aus dieser Sache heil herauskommen? (Bild- & Textquelle: Goldmann Verlag)



Meine Meinung

Das Buch beginnt mit einem Banküberfall aus der Perspektive zweier professioneller Bankräuber. Die beiden lassen in den Sekunden vor ihrem Auftrag die vorausgegangene monatelange Arbeit Revue passieren. Eigentlich sollte nach dieser Vorbereitung nichts mehr schiefgehen können, aber sie werden in einen Hinterhalt gelockt. Einer der beiden schafft es verwundet vom Überfallort zu fliehen und versucht unterzutauchen.
An dieser Stelle macht die Handlung einen Schnitt: Man ist ab jetzt Teil der Erlebnisse von Jack, der unzählige Identitäten hat. Für Außenstehende ist er lediglich der Ghostman. Sein Name ist Programm, denn sein Leben besteht aus der Fähigkeit anonym zu sein und unterzutauchen. So weiß auch Markus, sein Auftraggeber für große Banküberfälle, dass Jack der Beste ist. Markus braucht Jack, denn sein aktueller Bankraub ist am Scheitern, weil einer seiner Leute verwundet auf der Flucht ist...
Meiner Meinung nach ist die Idee keine großartige Neuerfindung, allerdings ist die Art, wie die Handlung dargelegt ist, sehr gut gelungen.

Der Ich-Erzähler Jack ist ein junger Mann, der nur deshalb so gut in seinem Geschäft ist, weil er keine Kleinigkeit übersieht. Er handelt sehr überlegt und ist übervorsichtig, man kann sagen, er leidet unter Verfolgungswahn. Er kann sich schließlich keine Fehler leisten, da für ihn zu viel auf dem Spiel steht. Das macht ihn sehr kühl und reserviert. Man bekommt kaum Einblick in seine Gefühlswelt, womöglich weil er die Selbstbeherrschung hat sie zu unterdrücken. Seine Handlungsmotive werden erst am Ende dargelegt, man sollte aber nicht zu viel erwarten. 
Jack ist sehr einfach gestrickt, seine Gefühlslosigkeit lässt nur die Liebe zu seiner Arbeit zu, sonst zu niemandem. Andere sind ihm trotzdem nicht egal. Allerdings versteckt er die Empfindungen zu seinem weiblichen Umfeld, falls er welche hat, zumindest Interesse sickert zum aufmerksamen Leser durch. Es fällt also schwer Jack großartig sympathisch zu finden, denn so will er gar nicht wirken.
Die Beziehungen der Charaktere untereinander basiert auf höchstem gegenseitigen misstrauen und ist rein geschäftlich. Bei Jack deutet sich Zuneigung zu einer Person an, die eventuell in einer Fortsetzung noch ihren Auftritt haben könnte.

Man merkt schon auf den ersten Seiten, dass es kein gewöhnlicher Bankraub ist; es ist augenscheinlich perfekt durchdacht. Das Buch beschreibt den Plan so detailliert, wie ein Überfall nur geplant sein kann. Kurz: Der Autor hat eine große Liebe zum Detail, was seinen Schreibstil prägt. Wenn man sich als Leser für die Kunst des perfekten Raubs interessiert und der präzisen Erzählweise des Autors zugetan ist, kann man sich auf einige Stunden Thriller-Spannung freuen. Für mich war es an einigen Stellen zu viel Detail bei zu wenig Handlungsfortschritt. Manchmal war die Zeitdehnung, mit der erzählt wurde, so extrem, dass man fast schon wieder vergessen hatte in welch dramatischer Situation sich Jack eigentlich gerade befunden hatte. Zum Glück wurde davon das Buch nicht dominiert. 
Während sich die Handlung zum Ende hin zuspitzt und Verwicklungen immer verwobener werden, bleibt das Auge fürs Detail trotzdem nicht auf der Strecke, und das ist auch gut so. Der Autor hat es geschafft die Spannung bis zum Höhepunkt ganz am Ende der Geschichte zu steigern. Eigentlich sogar zwei Geschichten, denn Jack gibt parallel zur Haupthandlung Rückblicke in einen Banküberfall, der sein Schicksal verändern sollte. Außerdem klärt sich erst alles am Ende, was zu einem guten Thriller gehört.

Ich fühlte mich beim Lesen oft in eine Filmszene versetzt, einen guten Klassiker über einen Bankraub. Man kann sich die beschriebene Handlung sehr gut vorstellen und man spürt die Adrenalin geladene Umgebung beim Lesen selbst. Des weiteren dominieren Rücksichtlosigkeit, Egoismus und nicht zuletzt Brutalität das Buch. Für andere Gefühle ist auch gar keine Zeit, wenn der Wettlauf um das Geld Beginnt. Mir hat diese Art von Atmosphäre gefallen und ich denke, der Autor wollte genau das erreichen.
In der Mitte des Buches hat der Lesespaß für mich etwas abgenommen, aufgrund der zu extremen Zeitdehnung zu einem Zeitpunkt, an dem man die weitere Handlung nicht erwarten konnte. Das war für mich aber auch schon das Schlimmste, ansonsten hat mich die Spannung des Thrillers immer zu packen gewusst.



Fazit

Der Thriller wusste mich die meiste Zeit über zu packen, was ab und an durch den ausufernden Schreibstil etwas unterbrochen wurde. Da aber für mich bei einem Thriller keine großen Emotionen herüberkommen müssen, war ich sehr zufrieden damit, dass diese auf ein Minimum beschränkt geblieben sind und die Geschichte mehr von Action und Spannung geprägt waren - so soll das sein! Bleibt nur zu warten wie die Geschichte mit einer Fortsetzung weitergeht, bei der dieses Werk eine ziemlich gute Grundlage gelegt hat.


Ghostman bekommt:

4/5 Herzen

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