Mittwoch, 7. August 2013

[Rezension] Wie es dem Glück beliebt von Alissa Johnson

Mittwoch, 7. August 2013


Autor: Alissa Johnson
Titel: Wie es dem Glück beliebt
Originaltitel: As Luck Would Have It
Reihe:
Providence Serie #1
Verlag: Egmont LYX
Umfang: 403 Seiten
Preis: 9,99 €uro
ISBN: 978-3-8025-8975-1
Leseprobe



Klappentext

Lady Sophie Everton hat Dinge erlebt, bei deren bloßer Erwähnung die feinen Damen der englischen Gesellschaft in Ohnmacht fallen würden. Mit ihrem Vater ist sie in ferne Länder gereist, wurde fast von einem Tiger gefressen, hat einen unbekannten Stamm in den Dschungeln Südamerikas entdeckt und wurde versehentlich von einem Jäger angeschossen. Nun reist sie nach London zurück, um sich von den Strapazen des Abenteuerlebens zu erholen.
Doch noch auf dem Schiff nach England tritt ein Fremder an sie heran. Sie soll im Auftrag des Prinzregenten ihren eigenen Cousin, Lord Loudor, ausspionieren, der das Vermögen ihrer Familie veruntreut hat und im Verdacht steht, mit Verrätern im Bunde zu sein. Dabei trifft sie auf den attraktiven Alexander, Herzog von Rockeforte. Dieser ist ebenfalls hinter ihrem windigen Cousin her und hofft, an ihn heranzukommen, indem er Sophie zum Schein den Hof macht.
Allerdings hat Alexander nicht damit gerechnet, dass die quirlige junge Frau sein Herz im Sturm erobern würde. Auch Sophie verliebt sich Hals über Kopf in den charmanten Lord. Doch dann findet sie heraus, dass Loudor einen niederträchtigen Plan verfolgt, der sie in den Ruin stürzen könnte, und ihr Glück gerät in ernsthafte Gefahr. (Bild- & Textquelle: Egmont LYX)



Meine Meinung

Das Buch war mein allererster historischer Roman, den ich gelesen habe – irgendwie dachte ich mir, sollte ich es doch mal ausprobieren. Die kleine Verlosung bei der Leser-Welt, bei der ich auch noch Glück hatte, hat sich für mich aber definitiv gelohnt: Das Buch hat mir richtig gut gefallen! An dem Genre werde ich wohl festhalten.

Zu Beginn des Buches erlebt man erst einmal im den Tod eines Lords mit, wobei dessen Freund im einige Versprechen abringen muss. Vor allem das letzte, was dem Leser zunächst nicht bekannt ist, ist mysteriös und wirft einige Fragen auf. Anschließend gibt es einen Zeitsprung in die Gegenwart des Buches, zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Sophie Everton kommt von einer 12-jährigen Weltreise zurück nach London. Noch bevor sie die Insel betreten kann, bekommt sie einen Auftrag von der britischen Krone, für die sie als Spionin arbeiten soll.
Die Idee hinter dem Buch gefällt mir recht gut. Sophie ist keine typische Anstandsdame und fällt mit ihrem Charakter sehr aus der Norm, was das Ganze von Anfang an unglaublich spannend macht. Sie als Spionin einzusetzen finde ich auch gut überlegt und definitiv untypisch für diese Zeit. Alexander da mit einzubringen, mischt das Ganze ein wenig auf und da die Geschichte zur Zeit von Napoleon spielt, bekommt man ab und an ein paar geschichtliche Leckerbissen verpasst.
Die Umsetzung dieser Ideen ist jedoch nicht ganz so perfekt. Bei den Charakteren hat Johnson alles noch richtig gemacht, jedoch hapert es ein wenig an der Handlung. Die Anziehung der beiden steht definitiv im Vordergrund, weswegen mir persönlich die Spionage viel zu kurz kommt. So sollte dies doch buchprägend sein und es hat mich deshalb schon ein wenig enttäuscht. Vor allem gegen Ende, bei der Überraschung überhaupt, ist es mir ein wenig suspekt vorgekommen und Enttäuschung machte sich bei mir breit.

Die Charaktere sind der Autorin mehr als gelungen: sehr vielseitig und realistisch gestaltet. Sophie Everton ist keine Anstandsdame, wie auch, wenn man die Hälfte seines Lebens um die ganze Welt reist. Sie wirkt mit ihrem Auftreten sehr abenteuerlich und auch rebellisch, einfach untypisch für den britischen Adel. Sie ist von stürmischer Natur und überhaupt nicht auf der Suche nach einem Ehemann, wie es für ihr Alter üblich sein sollte. Für mich war Sophie eine der interessantesten weiblichen Protagonisten, die ich kennenlernen durfte. Denn auch sie hat einige Schwächen, die auf ein Ereignis aus ihrer Kindheit zurückzuführen ist.
Daneben wäre dann noch Alexander, der Herzog von Rockeforte, welcher allgemein als Herzensbrecher gilt. Durch seinen Spionageauftrag, in dem er Sophies Cousin Loudor dem Verrat überführen soll, muss er sich auch Sophie annähern, die ihn sofort bezaubern kann. Auch untypisch für ihn, so hat er doch stets die Zügel in der Hand und sich unter Kontrolle. Er ist leidenschaftlich und anbetungswürdig, denn für die Frau seiner Träume würde er alles tun. Er hat ein großes Herz, was auch sein bester Freund Whit immer wieder bestätigen kann.
Die Beziehung der beiden ist in erster Linie mehr als amüsant, während sie erst später leidenschaftlich wird. Ihr erstes Zusammentreffen ist definitiv kein Zufall, sondern von Alex geplant – Sophies Kutsche hat einen Unfall und er ist sofort zur Stelle. Schon hier ist er mehr als fasziniert von ihm, während ihr das alles mehr als peinlich ist. Sie liefern sich einige Wortgefechte, bei denen man sich gut amüsieren kann. Alex stellt ihr regelrecht nach, indem er auf jeder Veranstaltung auftaucht, wo auch sie ist, obwohl er eigentlich alles sonst meidet. Zwischen ihnen existiert etwas, doch lange Zeit steht keiner von beiden dazu. Wachsende Probleme, Distanz und das Schweigen über ihre Gefühle legt ihnen Steine in den Weg. Später wird es leidenschaftlich und sinnlich  die erotischen Szenen sind gut in die Handlung eingebettet, kommen nicht zu früh und sind nett umschrieben.

Die Emotionen zwischen den einzelnen Figuren hat Johnson gut rüber gebracht, sodass sie auch beim Leser ankamen. Nichts wirkt erzwungen, sondern sehr realistisch – vor allem wenn man mit Sophies Gefühlen konfrontiert wird, die im Laufe der Geschichte die ganze Palette benutzt. Auch die Männer zeigen ab und an Emotionen, doch hält sich dies in Grenzen.
Der Schreibstil ist der Zeit perfekt angepasst – so verwendet die Autorin gängige Wörter, Wortgruppen und Redewendungen, die einen direkt ins 19. Jahrhundert versetzen. Einige Begriffe waren mir fremd, doch lässt sich so etwas schnell beseitigen. Daran gewöhnen musste ich mich allerdings schon, ein wenig Einlesezeit muss also sein, erst dann kann richtiger Spaß dabei aufkommen. Doch allzu kompliziert und verwirrend wurde es nie, im Großen und Ganzen wird es einfach und flüssig gehalten.
Im Buch selbst gibt es, wie fast immer, mehrere Sichten und Handlungsstränge, die jedoch sehr übersichtlich sind und nicht allzu sehr verwirren. Die meiste Zeit über begleitet man Sophie mit ihren Gefühlen, ihrem Auftrag und ihren Problemen. Auch Alex kommt ab und an zu Wort, genauso wie Sophies Cousin Loudor und der Anwalt William, allerdings liegt das Augenmerk eindeutig auf Sophie, weswegen man ihr auch am nächsten ist.

Die Handlung braucht erst einmal ein wenig, bis sie so richtig ins Rollen kommt. Dabei geht die Anziehung der Hauptcharaktere schneller von statten, als das interessante Hauptthema der Spionage. Die Autorin setzt andere Prioritäten, als ich erwartet hatte, weswegen im Laufe des Buches kleine Enttäuschungen auftreten. Dies kann anfangs sogar ermüdend wirken, aber schon bald lässt dieser Aspekt nach. Alles ist anders, als man zunächst denkt und Sophie findet sich schneller in der Gesellschaft ein, als sie dachte. Szenen mit ihren neugewonnenen Freundinnen bringen neuen Schwung in die Handlung. 
Mit der Zeit werden die Probleme mit Loudur präsenter, sodass auch endlich Action und Spannung aufkommen. Ich war endgültig gefesselt von dem Buch, nicht mehr nur von der Liebesgeschichte, sondern auch vom Rest. Im Laufe der Zeit wird es auch richtig dramatisch, einige Wendungen bringen frischen Wind und Abwechslung in die Sache. Sophie schwebt in Gefahr und es ist unklar, wie sie da zusammen mit Alex wieder raus kommen soll. Eine urkomische Aufklärung folgt, die ich nicht erwartet hatte und mir ein wenig den Wind aus den Segeln nimmt. Somit endet das Ganze eher seicht, wenn auch mir die Wendung ein wenig zu „brav“ war.
Die Atmosphäre passt sich gut meinem Lesespaß an, den ich während des Lesens empfand. Durch den Schreibstil fühlt man sich richtig gut in das britische 19. Jahrhundert versetzt. Ansonsten werden die Atmosphäre, sowie der Lesespaß meist von Emotionen und Gefühlen geprägt. Besonders Spaß hatte ich an den Annäherungsversuchen von Sophie und Alex – hier konnte ich auch mal laut lachen!



Fazit

Für mich war „Wie es dem Glück beliebt“ ein guter Start in ein mir unbekanntes Genre, wobei ich sehr viel Spaß hatte. Ich fieberte mit den sympathischen Hauptcharakteren mit und konnte bei ihrer Beziehung mehr als einmal lachen. Die Idee mit der Spionage klingt gut, wird aber nur bedingt gut umgesetzt. Durch den Schreibstil fühlt man sich perfekt in das britische 19. Jahrhundert versetzt, auch wenn man anfangs ein wenig Einlesezeit benötigt, bis man sich daran gewöhnt hat. Mit der Zeit nahm die Handlung an Schwung auf, weswegen mich das Buch noch richtig begeistern konnte – ganz klar, eine uneingeschränkte Leseempfehlung!


Wie es dem Glück beliebt bekommt:

4,5/5 Herzen




Band 1: Wie es dem Glück beliebt
Band 2: Ein Erzfeind zum Verlieben (ab Januar 2014)

weitere Bände sind in Planung...

3 Kommentar[e]:

  1. Danke für deine Rezi! Sie ist nun auf der Hauptseite verlinkt. :)

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  2. Du weißt ja, dieses Buch will ich auch noch unbedingt lesen, und hach, jetzt noch ein bisschen mehr. Vor allem, weil der Schreibstil hier ja wirklich sehr ansprechend scheint, im Gegensatz zu dem Desaster, das ich mit meinem einen Buch da im Frühjahr hatte -.- *grusel* Schade nur um den Aspekt der Spionage, aber darüber kann man wohl hinwegsehen.
    Du weißt: Musst du mir mal ausleihen! Bald! Am besten gestern! <3

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  3. @Sonne:
    Ja doch, der Schreibstil ist in Ordnung. Ich habe mich sehr ins 19. Jahrhundert versetzt gefühlt. Hat zwar ein wenig gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte, aber das ist doch normal.
    Klar, schade war es, aber darüber kann man hinwegsehen :) Und klaro, mache ich! <3

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