Montag, 29. Juli 2013

[Rezension] Ruf der Vergangenheit von Nalini Singh

Montag, 29. Juli 2013



Autor: Nalini Singh
Titel: Ruf der Vergangenheit
Originaltitel: Blaze of Memory
Reihe:
Psy/Changeling #7
Verlag: Egmont LYX
Umfang: 406 Seiten
Preis: 9,95 €uro
ISBN: 978-3-8025-8402-2
Leseprobe

Der Inhalt oder die Rezension können möglicherweise Spoiler über Charaktere, Rahmenhandlung & Geschehnisse der Vorgänger enthalten.



Klappentext

Dev Santos ist der Direktor der Shine-Stiftung -ein Unternehmen, dass sich dem Schutz der Vergessenen gewidmet hat. Die Vergessenen sind die Nachkommen der Medialen, die bei der Einführung von Silentium zu Abtrünnigen geworden sind. Im Laufe der Zeit entwickelten sie besondere Fähigkeiten, die jetzt für den Rat der Medialen zur Gefahr werden könnten. Dieser sieht deshalb nur eine Möglichkeit, die Verräter in Schach zu halten: Ihr Anführer muss beseitigt werden.
Einer jungen Medialen wird deshalb ein Mordauftrag eingepflanzt, der sie dazu zwingen soll, Dev Santos zu töten. Mit aller Macht wehrt sich Katya gegen die Manipulation und bricht vor Santos' Tür zusammen. Als dieser die bewusstlose Mediale vor seinem Haus findet, ist er misstrauisch – gleichzeitig fühlt er sich jedoch auf sonderbare Weise zu der Frau hingezogen, die vorgibt, nicht einmal ihren Namen zu kennen. Und auch Katya entwickelt schon bald tiefe Gefühle für den unnahbaren Mann, der sie gefangen hält.
Gemeinsam versuchen sie, dem Drahtzieher des Komplotts auf die Spur zu kommen und den Befehl aus Katyas Gedächtnis zu löschen. Doch je mehr Zeit vergeht, desto größer wird die Gefahr, in der beide schweben. Schließlich sieht Katya nur noch einen Ausweg, um ihren Geliebten zu retten: Sie muss sich selbst opfern... (Bild- & Textquelle: Egmont LYX)



Meine Meinung

Das siebte Buch „Ruf der Vergangenheit“ war damals das Buch, wo ich so richtig gefordert wurden bin – mehr als einmal kamen mir die Tränen. Für mich ist das Buch das bisher emotionalste der ganzen Reihe; einfach eine Bestleistung von Singh.

Zu Beginn des Buches geschieht genau das, was im Klappentext gesagt wird. Doch zunächst wird mit einem kurzen Prolog noch einmal aufgeklärt, wer die Vergessenen eigentlich sind und es scheint sich ein Krieg anzubahnen. Anschließend ist auch schon eine Frau bei Dev gelandet, die jegliche Erinnerungen an ihr früheres Leben verloren hat und man sich augenblicklich fragt, was denn passiert ist. Dev ist der Anführer von Shine und auch von den Vergessenen, was einem Anschlag auf ihn gleicht. Genauso ist es auch, denn Katyas Auftrag ist es, Dev zu töten und mehr über die Vergessenen herauszufinden. Dieser Auftrag ist jedoch so tief in ihr Unterbewusstsein verankert, dass sie sich dessen gar nicht bewusst ist.
So weit, so gut, nun zur Idee des Buches. Dass dieses Mal der Fokus auf den Vergessenen liegt, ist gut durchdacht und bringt definitiv neue Vielfalt in die Geschichte - die Gestaltwandler bekommt man natürlich trotzdem zu Gesicht. Das nun der Rat massiv gegen sie vorgehen will, ist verständlich und passt gut zur vorhergegangenen Geschichte. Das eine Mediale zur Marionette des Rates geworden ist, ist ein interessanter Fakt und unterstreicht nur noch mehr, wie kalt sie vorgehen. Dass sie in den Vergessen Gefahren sehen, ist vielleicht nicht unbegründet, denn auch sie entwickeln starke mentale Fähigkeiten. Außerdem haben sie ein ähnliches geistiges Netzwerk wie die Medialen und zwar das Schattennetz, was trotzdem total anders funktioniert und sozusagen das Gegenstück dazu bildet.
Die Umsetzung dieser Ideen ist Singh mal wieder mehr als gelungen – nicht nur, dass die Rahmenhandlung interessant und gut vorangetrieben wird, sondern auch, dass neue Aspekte beleuchtet werden. Manipulation wird groß geschrieben bei den Medialen und die Kälte und Brutalität der Rasse wird mehr als deutlich. Singh bleibt sich und ihrer Welt treu und das kann man nur loben!

Die beiden Hauptcharaktere sind wieder einmal sehr sympathische Figuren, mit ihren Fehlern und Macken. Katya Haas  ist dem Leser schon bekannt, doch erfährt man erst später, wozu sie eigentlich gehört hat. Sie selbst weiß es nicht mehr, da sie sämtliche Erinnerungen an ihr früheres Leben verloren hat, die erst nach und nach zurückkommen. Sie wirkt ängstlich, schwach und zerbrechlich, doch ihr Geist und ihr Wille zu Leben sind stark und das ist an dieser Frau so faszinierend. Sie ist gebrochen und kehrt als Phönix aus der Asche zurück, wofür man sie nur bewundern kann. Die Tortur, die sie über sich ergehen lassen musste, wird mehrmals angeschnitten und ihre Gefühle kommen mehr als gut rüber.
Dev Santos wirkt dagegen einfach nur kalt, dominant und mehr als grob. Doch irgendwie hat er eine Schwäche für die zerbrechliche Mediale, die vor seiner Tür liegt. Durch die Anschläge auf Shine-Kinder in vorherigen Bänden ist er härter und kälter in seiner Vorgehensweise geworden, doch steckt tief in ihm drin ein weicher Kern. Diesen Kern kann Katya hervorholen und man lernt Dev von einer ganz anderen Seite kennen. Er ist die ganze Zeit über sehr authentisch und widerspricht sich nicht in seinen Entscheidungen. Ein Mann mit medialen Fähigkeiten, der das feurige Herz eines Gestaltwandlers in sich trägt.
Am Anfang ihrer Beziehung herrscht zwischen den beiden keinerlei Vertrauen. Dev hält sie für eine Spionin und Katya ist seine Gefangene, was ihm auch nicht Sympathien einbringt. Aber diese unterschwellige Anziehung kann keiner ignorieren. Mit der Zeit nähern sie sich an, fassen Vertrauen und doch steht Katyas manipulierter Geist zwischen ihnen. Alles an ihrer Beziehung ist emotional, auch wenn es sich nur um die kleinsten Dinge handelt. Genauso gefühlvoll sind die erotischen Passagen, die später die Handlung zusätzlich verstärken und die Beziehung der beiden verfestigt. Diese sind wie immer bei Singh mehr als gefühlvoll, leidenschaftlich und gut geschrieben und nehmen nicht die Überhand.

Die Emotionen werden bei Singh wie immer sehr groß geschrieben und nehmen den Großteil des Buches ein. Katyas Zerbrochenheit soll beim Leser Mitleid erwirken und sie gleichzeitig sympathisch machen. Außerdem treten auch wieder einige Charaktere aus früheren Bänden auf, wo man beispielsweise an Judd sieht, wie sich Mediale auch zum Positiven entwickeln können: zu fühlenden und liebenden Wesen. Doch vor allem die Anziehung zwischen Dev und Katya, ihr Auftrag und die damit auftretenden Probleme sind die Dinge, die für die Emotionalität sorgen. Es wird absolut emotional, an einigen Stellen herzzerreißend und meistens scheint es keine Hoffnung für eine Lösung zu geben. Das Buch nahm mich total mit, so standen mir mehrmals Tränen in den Augen.
Womit ich auch gleich zum Schreibstil komme, denn der trägt dazu noch zusätzlich bei. Singh weiß einfach, wie sie berührt und nutzt ihre Schreibweise dazu, tiefe Gefühle beim Leser hervorzurufen. Außerdem wird kein Satz, kein Wort grundlos geschrieben – hinter jedem Satz steckt ein tiefer Sinn und trägt früher oder später eine wichtige Bedeutung für das Buch. Sie ist eine wahre Koryphäe was das anbelangt!
Die Sicht ist sehr umfangreich, was auch an den zig Handlungssträngen liegt, die die Handlung dynamisch und abwechslungsreich machen. Neben der Hauptgeschichte rund um Dev und Katya bekommt man Einblicke in Briefe, die vor 100 Jahren von einer Mutter an ihren Sohn verfasst wurden; zur Zeit, als Silentium bei den Medialen eingeführt werden soll. Außerdem gibt es ab und zu Einblicke in die Machenschaften des Rats der Medialen, die vor allem das Problem der Vergessenen bereden. Ebenso gibt es ab und an Nachrichtenprotokolle von der Station Sunshine, ein Projekt des Rates, was weitere Fragen aufwirft. Doch die Puzzleteile dieser ganzen Sachen werden erst gegen Ende zusammengefügt.

So besteht auch die Handlung aus vielen Teilen, die die Geschichte sehr abwechslungsreich machen, jedoch nicht verwirren oder das Gehirn überlasten; es bleibt übersichtlich. Schon am Anfang kommt kaum Langeweile auf, man bleibt an der interessanten Geschichte dran und wird schon bald von der emotionalen Geschichte gefesselt. Bis die Handlungsstränge alle zusammen führen oder Sinn ergeben vergeht natürlich ein bisschen Zeit, doch das ist keinesfalls störend. Alles fügt sich wunderbar zusammen und unterhält – auf den letzten 50 Seiten wird dann alles entschieden und es gibt Spannung im Übermaß. Man weiß nicht recht, was man für die weiteren Bände für bare Münze halten kann und was nicht, doch das ist nicht weiter schlimm, da die Geschichte an sich doch wieder abgeschlossen ist.
Die Atmosphäre im Buch selbst ist von den zig Emotionen geprägt und passt sich diesen auch perfekt an. So wirken die Emotionen auch am meisten auf den Lesespaß,der bei mir einfach nur gigantisch groß war. Selten kann mich ein Buchs so fesseln und mit sich reißen und am Ende blieben für mich nur vier Verben, die das Buch perfekt beschreiben: getäuscht, geschockt, geweint, gehofft.



Fazit

„Ruf der Vergangenheit“ ist ein Buch, was mich immer wieder berühren wird, egal wie oft ich es auch lese. Die Emotionalität steht glasklar im Vordergrund, die gleichzeitig auch die Atmosphäre und die Handlung prägen. Das Buch hat innovative Ideen, die die Rahmenhandlung weiter vorantreiben und neue Erkenntnisse freisetzen. Die beiden Hauptcharakter sind facettenreich, tief ausgestaltet und absolut sympathisch, während ihre Beziehung im dramatischen und emotionalen Sinne einfach nur punktet. Der bezaubernde und poetische Schreibstil unterstützt diese Gefühle noch und heraus kommt ein richtig tolles Buch, was es absolut verdient hat, gelesen zu werden! Mein Herz geht jedes Mal aufs Neue auf!


Ruf der Vergangenheit bekommt:

5/5 Herzen




Band 7: Ruf der Vergangenheit
Band 10: Lockruf des Verlangens
Band 11: Einsame Spur
Band 12: Geheimnisvolle Berührung

3 Kommentar[e]:

  1. Ich muss zugeben, ich habe jetzt nur dein Fazit gelesen, weil ich die Reihe ja selber gerade lese, aber das allein macht mich schon wieder happy und lässt mich seufzen.
    Ich habe gerade heute den 2. Teil der Reihe beendet und konnte es kaum glauben, dass mich das Buch noch mehr begeistern konnte, als der Erste. Und der hatte mich schon ungehauen. :)

    Die Reihe gehört auf jeden Fall zu meinen Liebsten und ich bin froh zu lesen, dass scheinbar auch noch Teil 7 alles erfüllt und abdeckt, was mir bisher schon so gut gefällt.

    LG
    Lilly

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  2. Hey Ho,

    Danke für die Rezi, sie ist nun verlinkt.

    LG
    Nazurka

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  3. @Lilly:
    Glaub mir, fast keines der Bücher fällt groß aus der Reihe. Man könnte es als ständige Steigerung ansehen :) Ich bin mir sehr sicher, dass du damit noch viel Spaß haben wirst! Den zweiten fand ich auch super - Vaughn und Faith muss man einfach lieben!
    Weiterlesen lohnt sich! Bei mir ist die Reihe tief im Herzen verankert <3

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