Montag, 3. Juni 2013

[Rezension] Das Mädchen mit den gläsernen Füßen von Ali Shaw

Montag, 3. Juni 2013


Autor: Ali Shaw
Titel: Das Mädchen mit den gläsernen Füßen
Originaltitel: The Girl with Glass Feet
Verlag: Script5
Umfang:
398 Seiten
Preis: 19,95 €uro
ISBN: 978-3-8390-0131-8
Leseprobe



Klappentext

Seltsame Dinge gehen auf St. Hauda's Land vor: Eigentümliche geflügelte Kreaturen schwirren umher, in schneebedeckten Wäldern versteckt sich ein Tier, das mit seinem Blick alles in Weiß verwandelt, im Meer sind wundersame Feuerwerke zu beobachten...und Ida Maclaird verwandelt sich langsam, von den Füßen aufwärts, zu Glas. 
Nun kehrt sie an den Ort zurück, wo alles begann, in der Hoffnung, hier Hilfe zu finden. Doch stattdessen findet sie die große Liebe: Mit ihrer traurigen und trotzigen Art schafft Ida es, die Knoten in Midas‘ Herzen zu lösen. Gemeinsam versuchen sie nun, das Glas aufzuhalten. (Bild- & Textquelle: Script5)



Meine Meinung

Über dieses Buch habe ich schon viel gehört, vor allem sehr viel unterschiedliches. Es soll ja sehr speziell sein und vor allem poetisch. Ich war gespannt, ob es mir gefällt. Die Aufmachung ist natürlich definitiv ein Traum – doch das heißt nicht immer, dass das Buch einem so gut gefällt. Dieses Buch ist wieder mal der beste Beweis dafür!

Alles beginnt damit, dass Midas durch den Wald streift und seine Umgebung mit seiner Kamera festhält, ganz auf Fotos. Es gibt ihm einen gewissen Schutz vor der Realität und durch die Fotos nimmt er die Welt besser wahr – sie helfen ihm. Schon bald trifft er auf ein Mädchen, die für ihr Alter ziemlich merkwürdig geht. So als würden ihre Füßen Tonnen wiegen oder jeden Moment zerbrechen. Er erfährt, dass sie Ida heißt und doch bleiben über sie tausend Fragezeichen zurück.
Ida ist auf St. Hauda's Insel um einen Mann zu suchen, den sie bei ihrem ersten Besuch schon einmal getroffen hat. Dieser Mann scheint zu wissen, was mit ihr passiert und sie hofft auch, dass er weiß, wie man es aufhält. Denn Ida verwandelt sich an den Füßen zu Glas und es scheint, als könnte man es nicht aufhalten. Sie muss sich ihren Veränderungen anpassen – doch sie gibt die Hoffnung nicht auf!
St. Hauda's Land könnte man schlicht und ergreifend als einsam bezeichnen. Denn das ist das Gefühl, welches die Insel im Leser hervorruft. Außerdem wirkt sie sehr magisch und es gibt abwechselnde Sprecher, nicht nur zwischen Midas und Ida, sondern auch andere ihrer Familien, sodass man mehr über beide und ihre Familiengeschichten erfährt.

Man stößt auf merkwürdige Lebewesen auf der Insel, deren Existenz man sich nicht erklären kann, die aber auch nicht erklärt wird. Es heißt, es werden Geheimnisse bewahrt – doch mich störte es an dieser Stelle schon, dass man einfach zu oft einfach im Dunkeln tappen muss. Manche Sachen fand ich auch etwas weit hergeholt und überstiegen meine Fantasiegrenze.
Rückblenden machen die Geschichte dynamisch und fand ich sehr gut, denn so war die Handlung nicht nur abwechslungsreich, sondern man lernt auch gleich mehr über die Charaktere. Einige Verwandtschaftsverhältnisse klären sich dadurch ebenfalls auf.
So schön, wie ich das auch Anfangs an, genauso ging es mir schon bald auf die Nerven. Ich verstehe echt nicht, warum plötzlich nur noch die Eltern von Midas und Ida im Vordergrund stehen – es ist doch nicht ihre Geschichte! Es ging plötzlich um verpasste Chancen und zerrüttete Ehen, was ich wirklich nicht erwartet hätte. 
Der einzig interessante Charakter dabei ist Midas Vater, der mich irgendwie ziemlich interessierte. Er ist eine Person, wo man bis zum Ende hin nicht versteht, warum er so geworden ist. Doch man hat ja keine Ahnung, was Magie alles so anrichten kann und sein Schicksal war wirklich das überraschendste und interessanteste der Geschichte.

Weitere tausend Fragen wollten geklärt werden: Woher kommt das Glas? Wieso holt es sich gerade Ida? Warum? Wieso? Wo sind die Antworten!? Man bekommt sie einfach nicht! Keine Einzelheit und das hat mich tierisch frustriert. Ich hasse es einfach, wenn solche wichtigen Fragen offen gelassen werden! Es blieb undurchsichtig, verwirrte mich teilweise – es wird nicht geklärt, denn es ist einfach da und es scheint total normal zu sein. So langsam verlor ich die Leselust.
Das Buch hat generell einen sehr melancholischen und traurigen Unterton, der einen zum Nachdenken anregt. Dazu kommt dann noch, dass Ida sich der harten Realität stellen muss.
Sie klammert sich fest an Midas und will sich so einige schöne Momente machen, denn alles scheint hoffnungslos. Doch Midas ist ziemlich verkorkst. Ziemlich ungewöhnlich sein Verhalten und mir auch nicht so recht, es missfiel mir zunehmend. Ich meine, verstehen konnte ich ihn schon, aber er ist so ein verdammter Angsthase. Doch urplötzlich scheinen sie es dann doch hinzukriegen – ein kleiner Lichtblick, doch der weilt auch nur kurz.
Das Ende nimmt einen dann so richtig mit und ich muss sagen, genau das habe ich dann auch erwartet! Es ist fast schon grausam, aber kann einen berühren, wenn man mit der Geschichte warm geworden ist. Bei mir rief es nur eine sehr depressive Stimmung hervor.



Fazit

Ali Shaw hat wirklich versucht, etwas Neues zu schaffen und ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass er das auch geschafft hat. Seine Ideen heben das Buch unter anderen hervor, doch wünsche ich mir als Leser mehr als Ideen, deren Hintergründe nicht erklärt werden. Antworten gab es fast keine – wo kommt denn nun das Glas her? Niemand weiß es und es wird so getan, als wäre das alles normal. Manche Ideen überschritten auch meine Fantasiegrenze, wie die Minikuhkäfer. Die Prioritäten des Buches lagen auch auf anderen Dingen, als ich erwartet hatte und die vielen verkorksten Charakter, vor allem die Hauptperson Midas, brachten auch nicht besonders Spaß in das Lesegeschehen. Einzig der wunderschöne, poetische Schreibstil machte mir Spaß und wenige interessante Charaktere, sowie die magische Grundstimmung. Leider hat es nicht gereicht, um die anderen Sachen wieder gut zu machen. Schade!


Das Mädchen mit den gläsernen Füßen bekommt:

2,5/5 Herzen


4 Kommentar[e]:

  1. Sehr schade, dass es dir nicht gefallen hat - aber Geschmäcker sind ja verschieden. Grade dass hier eben nicht alles erklärt wird fand ich, wie du weißt, sehr interessant, aber es ist halt nicht jedermanns Sache. Immerhin hat dir der Schreibstil gefallen, das finde ich klasse, denn der ist hier definitiv etwas ganz Besonderes. Das kann er, der Ali Shaw :D
    Schöne Rezension!

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  2. Ohje, das steht bei mir immer noch ungelesen im Regal und irgendwie traue ich mich nicht ganz dran. Vor allem nach deiner Rezension habe ich Zweifel ob es mir gefallen wird. Aber am Besten ist ja immer selber lesen :)
    Liebe Grüße
    Sabrina

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  3. Ich habe das Buch noch nicht gelesen, aber die Andersartigkeit reizt mich schon total. Allerdings bin ich mir absolut nicht sicher, ob das Buch meinen Geschmack treffen würde. Nach deiner Rezension würde ich eher sagen nein.

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  4. Oh man, ich könnte ein Lied darüber singen, wie schade ich es finde, dass das Buch sein Potential nicht ausgenutzt hat! Es gab super tolle, interessante und einfach spezielle geniale Ideen und dann wurden sie einfach fallen gelassen! Es gab keine Weiterführung und .. ja es musste ja nicht unbedingt eine Lösung geben, aber etwas zu erwähnen und dann nicht mehr darauf eingehen, ist nur eine Aneinanderreihung von schönen Dingen, die nichts miteinander zu tun haben. Jaja, dafür fand ich "Der Mann, der den Regen träumt" in diesem Punkt viiiiiiiiiiiiiel besser. Das Ende war verstörend, aber perfekt. :D
    Liebe Grüße Julia

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