Dienstag, 27. September 2011

[Rezension] Ruht das Licht von Maggie Stiefvater

Dienstag, 27. September 2011


Originaltitel: Linger
Reihe: Die Wölfe von Mercy Falls #2
Verlag: Script5 
Umfang: 398 Seiten
Preis: 18,90 €uro
ISBN: 978-3-8390-0118-9

Der Inhalt oder die Rezension können möglicherweise Spoiler über Charaktere, Rahmenhandlung & Geschehnisse der Vorgänger enthalten.


Klappentext

Obwohl alles verloren schien, ist Sam zu Grace zurückgekehrt. Er hat den Wolf in sich besiegt und jetzt liegt ein ganzes Leben in seiner Menschengestalt vor ihm. 
Doch nun ist es Grace, deren Zukunft ungewiss erscheint. Sie, die sich ihrer menschlichen Haut immer so sicher war, hört nachts die Stimmen der Wölfe und weiß: Sie rufen nach ihr. Wogegen Grace sich mit aller Macht wehrt, wäre Cole hochwillkommen. Cole wünscht sich nur eines: Vergessen. Vergessen, wer er ist. Vergessen, was er getan hat. Die Wolfshaut ist seine Zuflucht. Doch trotz der eisigen Kälte gelingt es ihm nicht, die Wolfsgestalt dauerhaft anzunehmen. 
Als Coles Vergangenheit in einholt und sich immer mehr neugierige Augen auf die Wölfe richten, muss Sam zusehen, wie seine Welt zerbricht: Das Rudel schwebt in größter Gefahr und Grace hält nur noch die Liebe zu ihm in ihrem menschlichen Leben. Sam ahnt, dass der Wolf in ihr eines Tages siegen wird... (Text- & Bildquelle: Script5)


Meine Meinung

Nach dem Ende des 1. Bandes (*Nach dem Sommer*) war ich schon gespannt auf den zweiten Teil, vor allem deswegen, weil man den ersten Band auch als abgeschlossen betrachten kann und ich mir nicht so recht vorstellen konnte, was denn noch so passieren soll. Denn indirekt gab es ja ein Happy-End und weit und breit keinen Cliffhanger.

Aber schon allein der Prolog warf alles durcheinander, verwirrte mich regelrecht. So viele Fragen wurden aufgeworfen, und man will einfach Antworten! Es machte wirklich sehr gespannt auf den weiteren Verlauf.
Auch wenn es mir anfangs gar nicht gefiel, dass die heile Welt aus dem ersten Band so schnell aus den Fugen geriet. Daran musste ich mich erst gewöhnen, da sehr viele Faktoren auf einmal zusammentrafen und ich ständig gedacht habe: "Was? Damit sollen sie sich auch noch rumschlagen?"
Aber es war gut, dass diesmal mehr passiert ist, als im ersten Band. Manchmal auch gleich etwas zu viel, aber über so was kann man sich bekanntlich streiten.
Was ich auch positiv fand, war, dass neben der Sicht von Grace und Sam, noch die Sichten von Isabel und Cole dazu kamen, was die Handlungen abwechslungsreicher und erfrischender gemacht hat.
Die Handlung selbst war so spannend, dass ich nur wenige Tage brauchte, um das Buch zu lesen, trotz dem ganzen Schulstress um mich herum. Die letzten 50 Seiten haben mich mehrmals zu Tränen gerührt. Ich fand es so traurig und ich hoffte innigst, dass alles gut wird, irgendwie. Alles scheint so aussichtslos..
Das Ende selbst - Gott, war das gemein! Ein richtig fieser Cliffhanger wartet da auf einen. Und das stört mich wirklich sehr.

Sam ist nicht sehr anders, als im ersten Band und das ist gut so. Ein anderer Charakter würde gar nicht zu ihm passen. Er ist, finde ich, perfekt so, wie er ist, mit Ecken und Kanten. Auch wenn er sich diesmal eine größere Last auflädt, als letztes Mal und versucht, damit klar zu kommen, was gar nicht so einfach ist.
Auch diesmal quälen ihn seine Vergangenheit und die Gedanken an seine Eltern. Man erfährt mehr über Beck und Sams Beziehung zueinander und dem Rest seiner wölfischen Familie, die er auf irgendeine Weise vermisst. Trotzdem redet er sich ein, viel lieber ein Mensch sein zu wollen. Er ist so in seinem eigenen Zwiespalt gefangen, den er nicht richtig lösen kann.
Er konnte es ja meistens nicht mal richtig fassen, dass er ein Mensch ist und auch ein Mensch bleibt, selbst wenn die Kälte zuschlägt. Eine Zeit lang hatte er immer wieder Angst, sich trotzdem zu verwandeln, doch wenn er es einsah, dass alles in Ordnung ist, freute er sich umso mehr und das wärmt einen als Leser das Herz. Auch, weil Sam sich nicht sehr oft freut.
In diesem Band überwiegt stets seine Sorge um Grace, und seine eigenen Dämonen treten eher in den Hintergrund. Aber trotz der vielen Sorgen fragt er Grace ewig nicht, wie es ihr geht. Und das ist ein Teil, der mich stört. Wenn man sieht, dass es seiner Freundin schlecht geht, fragt man doch, wie sie sich fühlt und ob man helfen kann, oder irre ich mich da? Das ist eine ziemliche Schwäche von ihm.
Genauso wie er denkt, dass er schlecht für Grace ist. Dabei ist sie überglücklich mit ihm und auf jeden Fall ist er gut genug für sie. Er hat so wenig Selbstbewusstsein, obwohl er das Beste ist, was ihr jemals passiert ist. Ich hoffe mal, er versteht das noch.

Auch Grace ist anfangs sie selbst geblieben, wie man sie aus dem ersten Band kennt. Sie ist genauso nett und aufgeweckt, aber auch pragmatisch, wie man sie eben kennengelernt hat.
Doch mit der Zeit geht es ihr im Buch immer schlechter und das zieht sich wirklich gnadenlos durch. Ihr Charakter leidet darunter und ihr normales Ich hat mir da schon etwas gefehlt, aber das gehörte einfach zur Handlung.
Nicht in Ordnung fand ich, dass sie Sam die ganze Zeit vorgespielt hat, dass es ihr gut ginge. Wieso kann sie mit ihrem Freund nicht ordentlich reden und sagen, wie sie sich fühlt? Zwischen den beiden hängen die ganze Zeit dutzende Geheimnisse, und keiner spricht eines aus. Auch das stört mich.
Auch komisch waren diesmal ihre Eltern, die in diesem Band wirklich total durchgeknallt sind. Denn, auf einmal haben sie sich für Grace interessiert und waren nicht nur mehr Mitbewohner. Nein, sie haben ernsthaft versucht, über ihr Leben zu bestimmen und sie zu kontrollieren. Vor allem was der Umgang mit Sam anging, den sie nach einiger Zeit gehasst haben. Wieso aber? Sam hat keinen schlechten Einfluss auf sie und Grace ist eine regelrechte Mustertochter.
Deswegen fand ich es sehr gut, dass Grace sich das nicht gefallen lassen hat und gegen sie rebelliert hat. Ihr Charakter hat sich entwickelt und sie hat sich gegen ihre Eltern gestellt. Sie ist, wenn man es so nennen kann, erwachsener und reifer als ihre Eltern.

Isabel ist diesmal eine der Hauptcharaktere geworden, man erfährt diesmal auch ihre Sicht der Dinge. Man lernt sie gleich zu Beginn anders kennen. Sie ist kein Püppchen mehr, der Tod ihres Bruders hat sie geprägt.
Nach außen hin spielt sie weiter die Eisprinzessin, doch kann mal als Leser hinter ihre Fassade blicken und weiß, wie sie sich wirklich fühlt. Sie will nur nicht als schwach da stehen.
Auch sind sie und Grace so etwas wie Freunde geworden. Jedenfalls, finde ich, unternimmt Grace einiges mehr mit ihr und erzählt ihr mehr, als sie es bei Rachel je getan hat. Was vielleicht auch daran liegt, dass Isabel in das Geheimnis der Wölfe eingeweiht ist, aber auch so gefällt mir Isabel besser als Rachel. Letztere ist einfach nur total nervend und ich bin froh, dass sie nicht so oft aufgetaucht ist.
Was mich auch gestört hat war, dass ganz am Anfang Olivias "Flucht" noch präsent war und hochgepusht wurde, während sie selbst im ganzen Band nicht noch einmal vorkam. Auch das Thema wurde nicht noch einmal angeschnitten. Da frag ich mich doch, wieso überhaupt damit angefangen wurde?

Auch gibt es eine neue Figur, namens Cole, der die vierte Hauptfigur in diesem Buch darstellt. Cole war ein berühmter Rockstar, der ziemlich tief im Drogensumpf feststeckte und viel Scheiße gebaut hat. Er wollte ein Wolf werden um zu vergessen, was er alles getan hat. Nur sein Problem ist, dass er sich immer wieder einfach so, in einen Menschen verwandelt. Er kann seine Wolfsgestalt nicht lange halten. Und das ärgert ihn fast zu Tode.
Cole ist ein Arschloch, wie man es im Duden finden würde. Er ist arrogant, ein Schnösel, hält sich einfach für was Besseres und denkt nur an sich selbst. Das Wort Großkotz trifft es auch. Ihm bringt absolut nichts aus der Ruhe und ihm entlockt nichts irgendeine Reaktion oder Gefühlsregung.
Doch das ändert sich irgendwann und man sieht sein wahres Gesicht, lernt den wahren Cole kennen, der einem wesentlich besser gefällt. Denn dieser Cole kann Schmerz und Schuld empfinden, und dann wird er einem sympathisch. Er macht eine Entwicklung vom Anfang bis zum Ende durch, er lässt mit der Zeit Menschen hinter seine Fassade blicken, und dieser Mix macht ihn wirklich toll. <3
Ich dachte sowieso, dass er sich nur so gibt und eigentlich gern Hilfe hätte, von anderen Menschen, aber zu stolz war, diese zu fordern oder anzunehmen.

Die Beziehung zwischen Grace und Sam, sowie die Anziehung zwischen Isabel und Cole ist komplett gegensätzlich.
Während es bei Grace und Sam eher sanfter zugeht, eine zarte Verliebtheit sich entfaltet, sie ihre Zukunft zusammen planen und alles langsam gemeinsam auskosten, ja es schon reicht, wenn sie einfach nebeneinander liegen und die Nähe des anderen genießen - ist es bei Isabel und Cole das Gegenteil. Bei ihnen ist es irgendwie eine Anziehung, auf der anderen Seite aber doch nicht. Es hat irgendwas explosives an sich, wie sie miteinander umgehen, man spürt, dass noch irgendetwas zwischen ihnen passieren wird und ihre Reibereien sind zum Schießen komisch.
Doch jeder der vier hatte so seine eigenen Probleme, die er nicht unbedingt mit den anderen teilte. Grace kämpft mit ihrer mysteriösen Krankheit und ihren störrischen Eltern. Sam macht sich Sorgen um Grace, hat Probleme mit ihren Eltern und trägt zu viel Verantwortung, auf ein ganzes Wolfsrudel aufzupassen. Isabel hat immer noch mit dem Tod ihres Bruders zu tun und ihre Eltern erleichtern ihr das Leben auch nicht gerade. Und Cole hat alle Hände voll mit seiner verkorksten Vergangenheit zu tun, die ihn zu einem emotionalen Wrack gemacht hat.
Das Lesen war also stets interessant, bei so vielen Problemen.


Fazit

Insgesamt war der zweite Band rund um Grace, Sam und die Wölfe spannender und abwechslungsreicher als sein Vorgänger, aber mir gefiel persönlich der erste Teil ein Stückchen besser.
Trotzdem ist es ein Top Buch und jedem nur wärmstens zu empfehlen, der auf Drama steht und eine schöne romantische Liebesbeziehung mit einer ordentlichen Portion Problemen mag.
Durch die paar Kritikpunkte zieh ich einen halben Stern ab - nicht desto trotz warte ich nun ungeduldig ein ganzes Jahr(!) lang auf den abschließenden Band.


Ruht das Licht bekommt:
4,5/5 Herzen


Die Wölfe von Mercy Falls

Band 2: Ruht das Licht

1 Kommentar[e]:

  1. Eine tolle und sehr ausführliche Rezension! Bin bisher noch nicht dazu gekommen, mir das Buch zuzulegen, aber jetzt will ich es unbedingt haben O.o Dankeschön ;)

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